Bild nicht mehr verfügbar.

foto: apa/kneffel

Wien - Der Handel muss sich derzeit für noch schlechtere Zeiten wappnen. Zwar ist die Ertragslage bereits in den vergangenen Jahren weiter zurückgegangen, doch der Abwärts-Trend setzt sich weiter fort. Die Ertragslage dürfte 2003 noch stärker unter Druck kommen als zuletzt.

"Der Handel muss sich auf einem niedrigeren Niveau wiederfinden, weil die Umsätze der vergangenen Jahre nicht mehr erreichbar sind" sagte der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, Erich Lemler, heute in einer Presskonferenz. Grund für den Ertragsschwund sei die ruinöse Preisabschlagspolitik, aber auch das "Einkaufsdiktat" der Industrie in vielen Branchen.

Wie aus der jüngsten Auswertung des Instituts für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH) von rund 14.000 Jahresabschlüssen 2000 und 2001 von Handelsunternehmen mit weniger als 100 Mio. Euro Jahresumsatz hervorgeht, ging die durchschnittliche Umsatzrentabilität (EGT in Prozent der Betriebsleistung) auf 1,6 (Vergleichswert 1999/00: 1,8) Prozent zurück. Die Großhandelsunternehmen liegen dabei mit 1,9 Prozent im Schnitt besser als der Einzelhandel mit 1,3 Prozent. Der Kfz-Handel schneidet mit 0,9 Prozent überhaupt am schlechtesten ab. Im Vergleich zur früheren Untersuchung blieb die Ertragskraft im Einzelhandel gleich, im Groß- und Kfz-Handel war sie rückläufig.

Relativ höhere Umsatzrenditen wiesen 2000/01 im Einzelhandel die Sparten Elektro (2,9 Prozent), Textil (2,7 Prozent) sowie Drogerien und Parfümerien (2,4 Prozent) auf. IfGH-Handelsexperte Peter Voithofer führt dies unter anderem auf die schrumpfende Zahl der Unternehmen in diesen Branchen zurück.

Negativ sind bereits die ganz großen Branchen wie Lebensmittel- oder Möbelhandel: Die geringste Ertragkraft wiesen Einzelhändler mit Lederwaren (-2,5 Prozent) und der Möbelhandel (-0,7 Prozent)sowie der Lebensmittelhandel (-0,6 Prozent) auf.

Laut IfGH schrieben im untersuchten Zeitraum 53 Prozent der ausgewerteten Handelsunternehmen schwarze Zahlen, verglichen mit 56 Prozent zuvor. Positives Eigenkapital wiesen 58 Prozent auf, nach 56 zuvor. Den Anstieg führt Voithofer wieder auf das Ausscheiden kleiner, besonders schlecht gehender Unternehmen, zurück. Die Zahl der Handelsunternehmen geht netto - also Neugründungen minus aufgegebener oder insolventer betreibe - jährlich um 700 zurück. Im Schnitt beträgt die Eigenkapitalquote der Handelsbetriebe - gleichbleibend - rund 22 Prozent, wobei sie mit steigender Betriebsgröße zunimmt.

Mit einer Insolvenz- oder Betriebsaufgabewelle rechnet Voithofer trotz der bescheidenen Ertraglage im Handel nicht. Viele seien Einzelunternehmen, die im Falle von Verlusten eben weitere Schulden aufnehmen. Angesichts der rückläufigen Umsatzrentabilität gehe aber die immense Flächenexpansion ihrem Ende zu. Schon jetzt habe Österreich mit 1,5 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner eine deutlich größere Handelsdichte als Deutschland mit 1,2 bis 1,3 Prozent.

Um Personalkosten zu sparen, weichen besonders die Einzelhändler zunehmend auf Teilzeitkräfte aus. Der Teilzeit-Anteil liegt hier bereits bei 37 Prozent.

Ein gesonderter Vergleich mit den Handelsriesen mit mehr als 100 Mio. Umsatz zeigt, dass gerade im Einzel- und Kfz-Handel die Größe durchaus positiv für die Ertragskraft, allerdings auch dort rückläufig ist: Die großen Ketten erzielten eine Umsatzrentabilität von 1,8 Prozent gemessen am Schnitt der kleineren von 1,3 Prozent. Im Kfz-Handel kamen die "Großen" auf 1 Prozent, verglichen mit 0,9 Prozent bei den Kleinen. (APA)