Die Rücktrittsankündigung von Steve Case als Chairman der AOL Time Warner Inc kam in der vergangenen Woche nicht überraschend. Der Schritt wurde von vielen Analysten begrüßt. Denn in seiner Person sehen sie einen Repräsentanten der verlustträchtigen Online-Sparte, deren Einfluss auf den Konzern nach Ansicht der Marktexperten minimiert werden müsste.

"Erheblicher" Sonderposten

Anfang Jänner hat AOL Time Warner Investoren und Anlysten bereits darauf vorbereitet, dass sie am Mittwoch bei der Veröffentlichung der Bilanz 2002 erneut mit einem "erheblichen" unbaren Sonderposten rechnen müssen.

Der Zeitung "Washington Post" zufolge handelt es sich dabei um eine Abschreibung von mindestens zehn Mrd. Dollar auf die Internet-Tochter America Online. Für das vierte Quartal rechnen Analysten mit einem Ergebnis je Aktie von 0,26 Dollar.

Im Vorjahr hatte der Konzern für das Schlussquartal ein Barergebnis je Aktie von 0,33 Dollar ausgewiesen, für das Gesamtjahr 0,57 Dollar. Diese bilanzielle Kennzahl definiert AOL Time Warner als das Vorsteuerergebnis ohne Berücksichtigung nicht liquider Abschreibungen abzüglich Steuerbarzahlungen. Umgesetzt worden waren im vierten Quartal 2001 10,6 Mrd. Dollar, im Gesamtjahr summierten sich die Erlöse auf 38,234 Mrd. Dollar.

Rigide Sparmaßnahmen

Als einzigen Weg zur Sanierung von America Online sieht AOL Time Warner offensichtlich rigide Sparmaßnahmen. Der CFO des Konzerns, Wayne H. Pace, kündigte an, er werde die Kosten in diesem Bereich "unerbittlich" senken, nur so könne ein Umschwung in der Internetsparte erzielt werden. So sollen die Marketingkosten verringert und weiteres Personal kündigen werden. 2002 sei es America Online nicht gelungen, ihre Kundenbasis weiter auszubauen, hieß es. Für die Online-Tochter sei es ein "Reset"-Jahr gewesen, sagte Pace. Als Trost für die Anleger fügte der CFO hinzu, America Online sei jedoch die einzige Konzernsparte, die sich nicht planmäßig entwickle.(APA/vwd)