Wien - Über viereinhalb Jahre nach dem Grubenunglück von Lassing wird das Wiener Oberlandesgericht (OLG) ab 18. März endgültig die Frage klären, ob und wer an der Katastrophe strafrechtliche Schuld auf sich geladen hat. Bei dem Unglück vom 10. Juli 1998 hatten zehn Kumpel den Tod gefunden. Einzig der verschüttete Bergmann Georg Hainzel konnte wie durch ein Wunder nach neun Tagen lebend geborgen werden.

Der damalige Betriebsleiter der Naintscher Mineralwerke sowie der inzwischen pensionierte Berghauptmann von Leoben wurden dafür Ende Juni 2000 im Landesgericht Leoben wegen fahrlässiger Gemeingefährdung verurteilt: Für den Betriebsleiter setzte es zwanzig Monaten bedingt sowie eine unbedingte Geldbuße von 8.721 Euro. Der Berghauptmann bekam zehn Monate auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 7.849 Euro.

Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung

Beide meldeten dagegen Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, der Staatsanwalt wiederum erhob gegen die Strafhöhe Berufung. Die Freisprüche für drei ursprünglich mitangeklagte Beamte der Berghauptmannschaft sind längst rechtskräftig.

An sich wäre das Oberlandesgericht Graz für das Berufungsverfahren zuständig gewesen. Doch der Akt wurde an Wien abgetreten, um nicht den Anschein einer möglichen Befangenheit zu erwecken: Richter Andreas Haidacher, der das erstinstanzliche Verfahren geleitet hatte, ist mittlerweile am Grazer Obergericht tätig.

Auf drei Tage anberaumt

Wie Anton Sumerauer, Pressesprecher des OLG Wien, am Dienstagnachmittag im Gespräch mit der APA mitteilte, wurde das Berufungsverfahren auf drei Tage anberaumt. Aus Platzgründen wird die Verhandlung nicht im Justizpalast stattfinden. "Der Senat wandert aus", meinte Sumerauer. Verhandelt wird im Straflandesgericht Wien, "weil wir von der Größe keinen passenden Saal im Justizpalast haben", so Sumerauer.

"Es wird keine Beweiswiederholung und kein ergänzendes Beweisverfahren geben", betonte der Sprecher. Zu weiteren Fragen wollte er nicht Stellung nehmen: "Das ist eine Angelegenheit der Rechtsprechung." (APA)