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Frauenbeschäftigungsquote und Fruchtbarkeitsrate im Ländervergleich
APA/G. Käfer

Der aktuelle OECD-Bericht mit dem Titel "Babies and Bosses" liegt vor - und er stellt Österreich einmal mehr ein mittelmäßiges Zeugnis aus, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anbelangt.

Zwar liegt die Frauenerwerbsquote hierzulande mit 63,5 Prozent über dem OECD-Schnitt von 56,8 Prozent, doch deutlichen Aufholbedarf gibt es bei der Kinderbetreuung von Unterdreijährigen, dem Karenzurlaub sowie der Geburtenzahl. Diese liegt mit 1,4 Kindern pro Frau unter dem OECD-Schnitt (1,6 Kinder pro Frau).

Ein anzunehmender Grund dafür kann die Unterversorgung mit Betreuungsplätzen für Kleinkinder sein. In Österreich besuchen 74 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen Kindergärten oder andere vorschulische Betreuungseinrichtungen, was den 17. Platz der 30 untersuchen Staaten ergibt. Bei den Unter-Dreijährigen sieht die Bilanz mit 6,6 Prozent noch schlechter aus. Österreich landet hier auf dem 24. Platz. Die höchsten Quoten weisen Frankreich mit 101,9 Prozent bei den Drei- bis Fünfjährigen und Dänemark mit 61,7 Prozent bei den Unter-Dreijährigen auf.

Kinder und Beruf - es geht woanders

Im Ländervergleich zeigt sich, dass Frauenbeschäftigung und Kinder kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Staaten mit höheren Frauenerwerbsquoten weisen auch die höchsten Fruchtbarkeitsraten auf, eine Entwicklung, die seit zwei Jahrzehnten zu beobachten ist - 1980 war es nämlich noch umgekehrt. Nun liegt beispielsweise in Island der Anteil von arbeitenden Frauen bei rund 82 Prozent, die Fruchtbarkeitsrate bei 2 Kindern pro Frau.

Am anderen Ende der Skala befinden sich südeuropäische Länder wie etwa Italien mit einer Frauenbeschäftigungsquote von lediglich 46 Prozent und nur 1,3 Kindern pro Frau. Laut Studie lassen sich Beruf und Familie nach wie vor in den skandinavischen Ländern am Besten vereinen. So liegt etwa Dänemark bei allen beobachteten Einflussfaktoren - Frauenbeschäftigung, Fruchtbarkeit, Kinderbetreuung, Kinderarmut und Einkommensschere - über dem OECD-Schnitt. Auch Schweden und Island zählen in fast allen Bereichen zur Spitze.

Gute Vereinbarkeit von Job und Familie attestiert der Bericht auch Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Besonders schwer haben es Eltern hingegen in süd- und mitteleuropäischen Ländern sowie in den asiatischen Mitgliedsstaaten.

Väterkarenz

Auch beim Vaterschaftsurlaub hinkt Österreich dem OECD-Durchschnitt hinterher. Hierzulande dürfen Väter nur 0,4 Wochen (hochgerechnet auf 100 Prozent des Lohns) in Karenz gehen, während es im OECD-Durchschnitt vier Wochen sind und in Island sogar 10,4 Wochen. Beim Mutterschaftsurlaub liegt Österreich mit 16 vollbezahlten Wochen dagegen relativ gut. Spitzenreiter ist Norwegen mit 20,8 Wochen, Schlusslicht sind die USA. Dort dürfen Frauen zwar zwölf Wochen auf Mutterschaftsurlaub gehen, bekommen dafür aber keinen Lohnersatz. Bei der Länge des Karenzurlaubs erreicht Österreich der Studie zufolge mit zwei Jahren das Doppelte des OECD-Durchschnitts. Wegen des vergleichsweise niedrigen Kindergelds entspricht dies aber hochgerechnet auf das Erwerbseinkommen nur knapp 22 vollbezahlten Wochen, während es in Schweden bei einem Jahr Karenzurlaub fast 41 Wochen sind.

Familienförderung recht großzügig

In Sachen Kinderarmut und Einkommensschere bewegt sich die Alpenrepublik im Mittelfeld. Besser schneidet Österreich auch bei den staatlichen Familienausgaben ab. Mit 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gibt Österreich deutlich mehr Geld für Familienförderung aus als im OECD-Durchschnitt (2,4 Prozent). Spitzenreiter ist Luxemburg (4,1 Prozent), gefolgt von Frankreich (3,8 Prozent), den skandinavischen Staaten, aber auch Ungarn (3,5 Prozent) und Großbritannien (3,3 Prozent) liegen vor Österreich. Deutschland wendet drei Prozent des BIP für Familienförderung aus, Schlusslicht ist Korea mit 0,175 Prozent.

Trotz der vergleichsweise großzügigen Familienförderung liegt die Kinderarmut in Österreich mit 13,3 Prozent über dem OECD-Schnitt (zwölf Prozent) und schneidet damit nicht nur schlechter als Deutschland (12,8 Prozent) ab, sondern liegt auch hinter Griechenland und Ungarn. Das beste Ergebnis weisen diesbezüglich Dänemark (2,4 Prozent) und Finnland (3,4 Prozent) auf, das schlechteste die USA (21,6 Prozent) und Mexiko (24,8 Prozent).

Bessere Abstimmung von Maßnahmen

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie empfiehlt die OECD koordiniertere politische Maßnahmen. In vielen Ländern werde nur an einzelnen Rädchen gedreht, viele Lücken im System blieben aber offen. Als Beispiel nennt die Organisation Mütter, deren Karenzzeit ausläuft, die aber keinen Kindergartenplatz finden. Auch mangelnde Nachmittagsbetreuung für Schulkinder oder unflexible Arbeitszeiten, die es Eltern nicht ermöglichen, sich um ihr/e Kind/er zu im Krankheitsfall zu kümmern, zählen zu den kritisierten Mängeln. "Solange es keine bessere Abstimmung zwischen den einzelnen Bereichen gibt, verpulvern die Regierungen viel Geld umsonst", so die Schlussfolgerung der OECD. (APA)