Am Mittwoch hat der "Fünfte Bericht zur Lage der Jugend in Österreich" den Ministerrat passiert. Darin finden sich Erhebungen zu Gender Mainstreaming und geschlechtssensiblen Ansätzen in der österreichischen Jugendarbeit, die zur Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs zur Förderung und Umsetzung einer gleichstellungsorientierten Jugendarbeit und -politik verwendet werden sollen.

Insgesamt zeigte sich, dass der Wissensstand zu den Themen Gender Mainstreaming und geschlechtssensible Arbeit in der österreichischen Jugendarbeit sehr unterschiedlich und häufig kein konkretes Wissen vorhanden ist. Das führe mitunter zu Unsicherheiten und zu der Tatsache, dass in der praktischen Arbeit beide Bereiche häufig vermischt oder auf die Arbeit mit Mädchen/Frauen beschränkt werde, heißt es im Bericht.

Systematisch verankern

"Chancengleichheit soll von Kindesbeinen an ein gelebtes Prinzip werden. Denn was Hänschen und Lieschen nicht gelernt haben, lernen Hans und Liese nimmer mehr", beurteilte Jugendministerin Andrea Kdolsky den Bericht. Gerade die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit müsse sich dieser "wichtigen Aufgabe stärker bewusst werden" - sie lade als Jugendministerin dazu ein, daran zu arbeiten. "Aufgabe muss es daher sein, die Genderthematik auch in der Jugendarbeit systematisch zu verankern", so Kdolsky.

Darin geht sie mit der Ansicht der ÖVP-Familiensprecherin Ribi Steibl konform, die ebenfalls eine Aufwertung in diesem Bereich forderte. "Jugendarbeit und auch Jugendpolitik müssen die unterschiedlichen Einstellungen, Verhaltensweisen und Rollenbilder von Burschen und Mädchen, die auch von der Gesellschaft geprägt werden, mit einbeziehen sowie dazu beizutragen, hierarchische Verhältnisse zwischen den Geschlechtern zu verändern und Gleichberechtigung zu fördern. Dazu ist auch eine entsprechende Bewusstseinsarbeit bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der außerschulischen Jugendarbeit notwendig", so die beiden ÖVP-Politikerinnen in Aussendungen. Auch die Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin der SPÖ Gabriele Heinisch-Hosek betonte, wie wichtig geschlechtssensible Arbeit mit Jugendlichen sei.

Arbeitsschwerpunkt Genderthematik

Auch gelte es, einen möglichst einheitlichen Wissensstand hinsichtlich Gender Mainstraming und geschlechtssensibler Angebote zu schaffen. Im Jahr 2008 sollen daher die im Bericht dargestellten möglichen Maßnahmen nochmals mit den Jugendorganisationen, aber auch den Ländern, die für die offene Jugendarbeit zuständig sind, reflektiert werden und Informations-, beratungs- und Ausbildungsmodule installiert werden, die zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Kdolsky: "Ich betrachte die Genderthematik als einen grundlegenden Qualitätsanspruch, dem auch und insbesondere die Jugendarbeit gerecht werden muss. Die dazu notwendige Qualifizierung der in der Jugendarbeit Tätigen wird einer meiner Arbeitsschwerpunkte in den Jahre 2008 und 2009 sein."

SP-Jugendsprecherin Laura Rudas sieht die Sache schon konkreter: Sie plädierte für die Einrichtung einer eigenen bundesweiten Informationsstelle. Der Bericht wird nun dem Familienausschuss des Nationalrats zugeleitet. (red)