Am Barriere-Riff sei die Gefahr des Korallensterbens gebannt, meldete vor kurzem eine Presseagentur. Das 12.000 Kilometer lange Riff gehöre zu den gesündesten der Welt, hieß es weiter, "in den vergangenen Jahren waren mehr als sechzig Prozent verblasst". Nun wären "nur noch sechs Prozent" vom Ausbleichen bedroht, steht in der Meldung, die eine Studie des Australischen Institutes für Meereswissenschaften (AIMS) zitiert.

Grund für das Ausbleichen sei ein durch "Überfischung, Verschmutzung und Ablagerung von giftigen Stoffen" ver-ursachtes Algensterben gewesen. Durch Verbesserung der Wasserqualität, den Schutz der Fischbestände und Strafen für Meeresverschmutzer sei "das Riff gerettet worden", berichtet der Artikel.

"Schlampig" berichtet

Besteht Grund zur Entwarnung? Ist Australiens größte Touristenattraktion doch kein Opfer der globalen Erwärmung?

Als "schlampigen Journalismus", bewertet Terry Done den Artikel, der in Europa von vielen Zeitungen gedruckt worden war. Done ist leitender Wissenschafter am AIMS und einer der weltweit bekanntesten Korallenexperten. Er weist darauf hin, dass im vergangenen Jahr 60 Prozent der Korallen am Riff von Ausbleichung betroffen waren; "und das ist nicht dasselbe wie ausgebleicht sein".

Ausgebleicht heißt nicht gleich tot

Eine ausgebleichte Koralle sei "nicht zwingend eine tote Koralle", erläutert Done, sie könne sich unter den richtigen Bedingungen wieder erholen, wenn auch nicht allzu oft. Das Phänomen der Ausbleichung ist ein Resultat höherer Wassertemperaturen. Sie unterbrechen die Nahrungsaufnah-me der Polypen, aus denen Korallen gebaut sind. Die Folge sind ein Verlust der Farben der Korallen und schließlich der Hungertod.

Nach Ansicht der Experten ist die weltweite Erwärmung der Meere das Hauptproblem. "Die globale Klimaveränderung führt eindeutig zu einer stärkeren Frequenz erhöhter Meerestemperaturen", erklärt Done.

Düstere Prognosen

Die Klimaprognosen für die Zukunft seien besorgniserregend. Es werde zu sehr viel mehr Ausbleichungszyklen kommen, die den Tod von Korallen zur Folge haben. "Die meisten Wissenschafter sind pessimistisch, weil sich das Meer schneller erwärmt, als sich die Korallen erholen können", meint Done.

Die im Artikel als Hauptpro-blem genannte Meeresverschmutzung sei zwar ein gewichtiger Faktor, "aber bei zu hohen Temperaturen sterben Korallen auch ohne diesen zusätzlichen Stress". (DER STANDARD/Printausgabe, 29.1.2003)