Wenn ich mich neuerdings für das politische Leben interessiere, dann deshalb, weil ich weiter als Unternehmenschef tätig sein will und weil ich nicht ins Gefängnis wandern will" - das erklärte Silvio Berlusconi freimütig, als er 1994 seine "Forza Italia" gründete. Die Italiener hielt dies nicht davon ab, seine Partei zu wählen. Wenig später war Berlusconi Premier, dann gescheitert - und im Mai 2001 zog er dennoch im Triumph erneut in den römischen Palazzo Chigi ein.

Ist gegen Berlusconis Marketingtalent kein demokratisches Kraut gewachsen? War der Aufstieg des Mailänder Medientycoons unaufhaltbar, seine "Telekratie" nicht zu verhindern? Darüber zerbrechen sich die italienischen Intellektuellen seit zehn Jahren ihre Köpfe. Und darüber liegt nun eine feine Kompilation in deutscher Sprache vor.

Das Phänomen Berlusconi konnte nur im "Sonderfall Italien" (F. Hausmann), in einer beispiellos verfilzten Parteienherrschaft entstehen, ist darin zu lesen. Vom Appeal des Superreichen für die Habenichtse, wird berichtet; auch von der Strahlkraft eines politischen Erlösers, bei dem sich die Evangelisten nach Andrea Camilleri nicht einig sind, ob der Herr nun über Wasser gegangen sei oder ob ihm das Wasser bis zum Hals steht.

Den Anteil der italienischen Linken am Comeback Berlusconis "würdigt" Nanni Moretti, selbst eine Vorschau auf 2194 findet sich in dem bei Wagenbach erschienenen Bändchen. "Der aufhaltbare Aufstieg des Dr. Berlusconi ist allen ein Rätsel. Wahrscheinlich auch ihm", resümiert Adriano Sofri in seinem Beitrag.

Dieses Rätsel bleibt weiter ungelöst. Aber immerhin: Nach der Lektüre schwindet das Staunen über die italienischen Verhältnisse ein wenig. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2003)