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Iranische Flüchtlinge im Oktober letzten Jahres in einem Notquartier der Volkshilfe und des Arbeiter-Sameriterbundes auf dem Gelände des Psychiatrischen Krankenhauses auf der Baumgartner Höhe in Wien.

APA-FOTO: ROBERT JAEGER

Wien - Faire Flüchtlingsberatung stehe und falle mit "ausreichend Information", weiß Gottfried Köfner, neuer Leiter des Büros des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) in Wien. Information der Asylwerber über ihre wahren Perspektiven im neuen Land zum Beispiel. Samt - falls es sein müsse - der Mitteilung, "dass die Aussichten auf Aufnahme in Österreich schlecht sind".

Ebenso müssten die Flüchtlingsbetreuer "in die Lage versetzt werden, die richtigen Entscheidungen zu fällen", erläutert der Mann, der in der Schweiz in Zusammenarbeit mit den Behörden ein Abklärungsverfahren für Asylanträge binnen 48 Stunden entwickelt hat. Umgesetzt auf die in Österreich derzeit umstrittenen Rückkehrberatung bedeute das: "Die Berater müssen genug Wissen über die Bedrohungslage im Herkunftsland haben".

"Nicht ohne umfassende Entwicklungszusammenarbeit"

Sowie Informationen über die Zukunftsaussichten des Rückkehrwilligen, sobald sich dieser wieder zu Hause befindet. "In Afghanistan zum Beispiel stellt die Staatengemeinschaft allein heuer 195 Millionen Dollar zur Verfügung, um den Geflüchteten eine würdige Heimkehr zu ermöglichen", erläutert der international erfahrene Asylexperte. Geld, das in den Aufbau der Infrastruktur und in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen fließen werde. Weil Flüchtlingsprobleme nicht ohne "umfassende Entwicklungszusammenarbeit" zu lösen seien.

Zumal die Motive der Flüchtenden immer "vielfältiger" würden: Politische Verfolgung vermische sich mit Nachstellungen aufgrund lokaler Konflikte und aussichtloser Verarmung. Deshalb, so der 49-Jährige, arbeite das Hochkommissariat derzeit auch an einer Evaluierung des Flüchtlingskonvention.

Unter dem Titel "Convention Plus" werde zum Beispiel versucht, den Schutz "intern Entwurzelter" - also von Menschen, die innerhalb eines einzigen Staaten zu Flüchtlingen geworden sind - in die Konvention einzufügen: "Als nächster Schritt ist die Durchführung eines internationalen Forums zu diesem Thema geplant".

Österreich einbeziehen

Auch Österreich werde sich an diesen Konsultationen beteiligen, betont Köfner. Überhaupt legt der Mann aus Pettendorf (Bezirk Korneuburg) auf eine "breitere Einbeziehung" seines Heimatlandes in die internationalen Migrationsdebatten wert. Auf die Dauer nämlich gehe es nicht an, "dass in Österreich Asylwerber per Richtlinie aus der Betreuung ausgeschlossen" - und auf diese Art zum Wechsel in andere Staaten animiert - würden: "Ein solches Vorgehen widerspricht den Absichten der EU und ist zudem unsolidarisch". (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2003)