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Salzburg - Mit einer eigenen Kommunikationsplattform im Internet will die Salzburger Landesregierung Kindern alkoholabhängiger Eltern schnell, rund um die Uhr und anonym Hilfe bieten. Der österreichweit einzigartige Chat-room wird von der Fachstelle für Suchtprävention des beim Landesjugendreferat angesiedelten Vereins Akzente betrieben. Initiiert wurde das Projekt vom Institut Suchtprävention Linz.

Unter der Internetadresse 1-2-free.at finden betroffene Kids und Teenies neben einem Chatroom auch Informationen zu Fragen wie "Drogen und Recht". Das Thema Suchtverhalten ist dabei breit angelegt: Zur Sprache kommen neben illegalen Drogen und Alkohol auch Spielsucht oder Essstörungen. Ergänzt wird das Angebot mit Links zum Thema Sucht und nützlichen Adressen, wo Hilfe bei Suchtproblemen zu finden ist.

Fokus auf Familie

Mit dieser Aktion will das Sozialressort des Landes den Fokus nicht mehr nur auf die Betreuung alkoholkranker Menschen richten, sondern auch das familiäre Umfeld mit einbeziehen. Das Projekt hat aber neben der Hilfe für alltägliche Probleme im Umgang mit alkoholkranken Eltern vor allem präventiven Charakter: Das Risiko für diese Kinder, selbst alkoholabhängig zu werden, ist um das Sechsfache höher. Kinder aus alkoholbelasteten Familien stellen die größte Risikogruppe bezüglich der Entwicklung von Alkoholabhängigkeit dar.

Allein in Salzburg leben knapp 6000 Kinder in einer Familie mit mindestens einem alkoholkranken Elternteil. Noch einmal so viele Kinder und Jugendliche haben einen alkoholkranken Elternteil, der nicht mehr im gemeinsamen Haushalt lebt. Dazu kommen noch Tausende unter 18 Jahren, deren Vater oder Mutter alkoholgefährdet sind. Mehr als 30 Prozent von ihnen werden selbst abhängig werden.

Die Spätfolgen bei den betroffenen Kindern zeigen sich meist im Erwachsenenleben. Zur erhöhten Alkoholgefährdung kommen oft erhebliche soziale Probleme hinzu. Die Palette reicht von gesteigerter Anfälligkeit für Kriminalität bis hin zu Arbeitslosigkeit, Verlust sozialer Kontakte und zunehmender Bindungslosigkeit. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 29.1.2003)