Bagram/Köln - Bei einem Großeinsatz im Südosten Afghanistans haben hunderte US-Soldaten mehrere Waffenlager regierungsfeindlicher Kämpfer ausgehoben und zerstört. Zwischen 200 und 400 Soldaten hätten ein ausgedehntes Höhlensystem in der Gebirgsregion Ada Ghar nördlich von Spin Boldak an der pakistanischen Grenze durchkämmt, sagte der Sprecher des US-Hauptquartiers am Luftwaffenstützpunkt Bagram, Oberst Roger King, am Mittwoch. Zwei Männer seien festgenommen worden.

Mindestens 18 Tote bei schweren Kämpfen am Dienstag

Nach den schweren Kämpfen vom Vortag, bei denen mindestens 18 Rebellen getötet worden waren, habe es keine weiteren bewaffneten Auseinandersetzungen gegeben. Die Suchaktion sollte am Mittwoch in rund 160 Höhlen fortgesetzt werden. Die Kämpfe am Dienstag waren die schwersten in Afghanistan seit der Operation "Anaconda" vom März 2002.

Geheimdienst vermutet Hekmatyar-Kämpfer in den Höhlen

Nach Kings Angaben deuten verlässliche Geheimdienstinformationen darauf hin, dass es sich bei den in den Bergen verschanzten Rebellen um Kämpfer des afghanischen Milizenführers und früheren Ministerpräsidenten Gulbuddin Hekmatyar handelte. Die USA bringen den Chef der fundamentalistischen Hezb-i-Islami mit dem Terrornetzwerk Al Kaida und den Taliban in Verbindung. Hekmatyar gilt als entschiedener Gegner der Regierung von Präsident Hamid Karsai. Anfang Oktober war er mit dem Versuch gescheitert, eine breite Oppositionsallianz radikal-islamischer Gruppen gegen die US-Truppen im Land zu schmieden.

In der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif seien in den vergangenen Tagen Flugblätter der Hezb-i-Islami verteilt worden, die zum "Aufstand gegen die amerikanischen Eindringlinge" aufriefen, hieß es am Mittwoch von Seiten einer Hilfsorganisation im zentralafghanischen Bamiyan. "Ehebruch, Alkoholkonsum und Homosexualität nehmen beständig zu... Sie wollen unseren wertvollen Islam schwächen", hieß es demnach in dem Flugblatt weiter.

Deutsche Bundeswehr verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Die deutsche Bundeswehr hat die Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der deutschen Soldaten in Kabul verschärft. So sei es den Bundeswehr-Soldaten bereits seit einigen Tagen verboten, mit nur einem Fahrzeug durch die afghanische Hauptstadt zu patrouillieren, sagte der Sprecher des deutschen Kontingents, Major Günther Bender, dem Kölner "Stadt-Anzeiger". Statt dessen müssten es mindestens zwei Fahrzeuge mit jeweils mindestens drei Soldaten sein. Ursache sind laut Bender "Gerüchte, dass Soldaten entführt werden sollen sowie die internationale Sicherheitslage." Dabei spiele auch der Irak-Konflikt eine Rolle.(APA)