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Daniela Iraschko nach ihrem Flug in eine neue Dimension.

Bad Mitterndorf - Daniela Iraschko hat am Mittwoch ein Kapitel Skisprung-Geschichte geschrieben. Die 19-jährige Steirerin sorgte mit dem ersten 200-m-Flug einer Dame für einen furiosen Auftakt der Skiflug-Konkurrenz am Kulm bei Bad Mitterndorf/Tauplitz. Iraschko segelte gleich an ihrem ersten "Flugtag" beim erst dritten Sprung auf die Traummarke und übertraf ihre bisherige Bestmarke um nicht weniger als 60 Meter. Sie kam bis auf fünf Meter an den Schanzenrekord von Takanobu Okabe heran. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, dieser Erfolg steht für mich über allem", sagte Iraschko freudestrahlend.

Ein "jahrhundertflug"

157, 188, 200 m - das waren die Stationen Iraschkos auf dem Weg zum Rekord. "Es war vom Absprung her mein bester Sprung, ich habe so viel Druck unter dem Ski gespürt und mir gedacht, 'nur vorne bleiben'", schilderte die Stams-Gymnasiastin ihren Super-Flug. Iraschko dachte aber nach dem "Jahrhundertflug" nicht nur an sich selbst. "Ich hoffe, dass ich für den gesamten Damen-Sport etwas erreicht habe, das ist eine Chance, dass viele zu springen beginnen. Wir Dirndl können das genauso gut wie die Burschen." In Österreich springen derzeit rund zehn Mädchen von K70- und K90-Schanzen, bei internationalen Bewerben wie dem kommenden Ladies-GP sind jeweils rund 50 Damen am Start.

Die bisherige Damen-Bestmarke hatte Eva Ganster mit 167 Metern (Kulm 1996) gehalten, die Tirolerin segelte am Mittwoch immerhin auf 169 m. Auf der größten Naturschanze der Welt hatte es zuvor erst insgesamt 15 (Herren)-Flüge auf 200 m und mehr gegeben, der Erste war vor sieben Jahren Jens Weißflog gelungen.

Formanstieg vor einer Woche

Iraschko hatte wegen Knieproblemen eigentlich gar nicht mehr an eine gute Saison geglaubt. "Erst vorige Woche bin ich richtig in Form gekommen und in Titisee-Neustadt 138 und 140 m gesprungen." Die Eisenerzerin, die u.a. beim Stecher-Trainer Gerhard Niederhametner das Springen gelernt hat, wird im ÖSV-Damen-Team vom Ex-Springer Fabian Ebenhoch betreut, in Stams, wo sie heuer maturieren will, ist sie unter Coach Harald Haim einziges Mädchen in einer Gruppe mit u.a. Christian Nagiller und Andreas Kofler. "Aber die bekomme ich im Winter kaum zu Gesicht."

Iraschko hat zwar einen Kopfsponsor (Raiffeisen Steiermark), doch Damen-Skispringen ist reinster Amateursport. "Hin und wieder gibt es rund 200 Euro Preisgeld. Aber es ist gut, dass es einen Sport gibt, bei dem nicht das Geld im Vordergrund steht", meinte der Teenager. Ohne Geld läuft freilich auch im Damen-Skispringen nichts. "Ich bin meinen Eltern und dem ÖSV für die Unterstützung dankbar, sonst könnte ich mir das nicht leisten", sagte Iraschko, die später am liebsten zum Bundesheer gehen und ihre Sportkarriere fortsetzen möchte. Doch dazu müsste Damen-Skispringen wohl international bessere Anerkennung (WM- und Olympiabewerb) erhalten.

Gleicher Anlauf wie die Burschen

Auch die FIS fördert nach anfänglicher Skepsis nun das Damen-Skispringen. "Den Mädchen sollen die gleichen Möglichkeiten geboten werden wie in anderen Sportarten, der Druck beim Aufsprung ist geringer wie etwa bei Sprüngen oder Kurvenfahrten in der Alpin-Abfahrt", sagt Paul Ganzenhuber. Der Tiroler Rennleiter am Kulm misst dem Rekordflug großen Stellenwert bei. "Ich habe gewusst, dass sie es körperlich und technisch schaffen kann, das Fragezeichen war die Psyche", meinte Ganzenhuber. Was die Leistung außerdem wertvoll mache, sei die Tatsache, dass Iraschko mit gleicher Anlauflänge wie die Burschen gesprungen sei. Und von denen kam nur einer - Wolfgang Loitzl mit 204 m - weiter als 200 m. (APA)