Bild nicht mehr verfügbar.

US-Außenminister Colin Powell

Foto: APA/EPA/Alessandro Della Valle

New York/London/Bagdad - Es riecht nach Kubakrise im UN-Sicherheitsrat, nach einem Showdown wie 1962, als der damalige amerikanische UN-Botschafter Adlai Stevenson Satellitenfotos aus der Aktentasche zog und seinem sowjetischen Kollegen den Beweis für die geheimen Raketenlieferungen an Havanna unter die Nase hielt: "Leugnen Sie, Botschafter Sorin, dass die UdSSR Mittelstreckenraketen und Rampen auf Kuba stationiert hat und stationiert?", fragte Stevenson. "Ja oder nein? Warten Sie nicht auf die Übersetzung."

Wird Colin Powell, der heutige US-Außenminister, auch solche Fakten auf den Tisch legen, wenn er nächsten Mittwoch im UN-Sicherheitsrat Geheimdienstinformationen über das Waffenprogramm des Irak präsentiert? Das Drama dürfte schon an Schärfe verlieren, weil Powells unmittelbarer Adressat, der irakische UN-Botschafter, wohl gar nicht an der Sitzung teilnehmen kann. Dennoch wird innerhalb der US-Regierung offenbar nun viel über die Parallelen zum Stevenson-Auftritt vom Oktober 1962 gesprochen. Ob es eine ebenso überzeugende Präsentation geben könne wie damals von Stevenson, "das kann ich nicht beantworten", meinte Powell dieser Tage. Die US-Regierung bemühe sich aber darum, ähnlich überzeugendes Material zusammenzustellen.


Kurdistan-Connection

Zum "Material" dürften neben geheimdienstlichen Erkenntnissen über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak auch die Verbindungen zwischen Bagdad und dem Terrornetz Al-Kaida von Osama Bin Laden gehören. Saddam Hussein "hilft und schützt" Terroristen, hatte US-Präsident Bush in seiner Rede zur Lage der Nation behauptet. Unterstützung aus London ließ nicht lange auf sich warten: "Wir wissen über Verbindungen zwischen Al-Kaida und dem Irak", erklärte der britische Premier Tony Blair Mittwochvormittag vor dem Parlament und gestand doch ein: "Wir sind nicht sicher über das genaue Ausmaß dieser Verbindungen."

Andere sind da weniger zurückhaltend. So wärmte William Safire, der Kolumnist der New York Times, dieser Tage wieder die "Kurdistan-Connection" auf und klagte, wie spät erst Washington auf seine Erkenntnisse vom 24. September 2001 reagierte ("Die CIA hörte nicht zu.").

Diese Geschichte geht so: Eine 600 Mann starke Truppe mit dem Namen Ansar al Islam, geführt von Bin-Laden-Vertrauten und mitfinanziert von Teheran, sei von Bagdad ausgebildet und anschließend im Nordirak installiert worden. Dort, in der Flugverbotszone, wo die Kurden eine autonome Verwaltung aufgebaut hatten, sollten sie führende Oppositionelle ermorden und das Kurdenregime destabilisieren.

Eine Ansar-Zelle soll zudem die Herstellung von chemischen Kampfstoffen übernommen und in die Türkei geschmuggelt haben, möglicherweise auch jenes Rizin, das später in London auftauchte. Ihr Anführer, der hinkende Al-Kaida-Mann Abu Musaab Zarqawi, soll noch im vergangenen Jahr in einem Bagdader Krankenhaus behandelt worden sein - eine Behauptung, die US-Präsident Bush vergangenen Oktober in einer Rede aufnahm. Zarqawi soll zudem auch hinter der Ermordung des US-Diplomaten Laurence Foley in der jordanischen Hauptstadt Amman stehen. Dass Islamisten im Nordirak operieren und auch Kontakte zu Bin Laden haben, steht dabei fest. Dass sie von Bagdad gesteuert werden, gilt bisher jedoch als ungewiss. Die Kurden selbst sehen eher Teherans Finger im Spiel. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2003)