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Späte Mutterschaft als emanzipatorischer Akt?
Kommentar von den Ceiberweibern
Foto: APA/ dpa/Wagner

Irene Jancsy hat in einem "Kommentar der anderen" im "Standard" gegen die Kolummne von Elfriede Hammerl im "Profil" in der Ausgabe Nr. 04/2003 angeschrieben. Elfriede Hammerl thematisierte, dass den späten Müttern Veranwortungslosigkeit vorgeworfen wird, nicht jedoch einer den Frauenkörper kolonialisierenden Reproduktionsmedizin. Frau Jancsy fragte sich daraufhin: "Für wie blöd hält Frau Hammerl ihre Geschlechtsgenossinnen eigentlich?" und argumentierte weiter unter der Prämisse "Feministische Bevormundung".

Hier die Replik von Elfriede Hammerl:

"Was Frau Jancsy mir vorwirft, ist - zusammengefasst - mein Unglauben an die selbstbestimmte, mündige Patientin, die souverän ihre Auswahl aus dem Angebot der reproduktionsmedizinischen Forschung trifft.

Stimmt: daran glaube ich nicht. Ich denke, dass Menschen mitbestimmt werden von ihrem Umfeld und den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie leben. Ich halte Menschen für manipulierbar. Ich glaube, dass Menschen manipuliert werden, z.B. von solchen, die ihnen Wissen und/oder Informationen voraus haben. Gerade Patientinnen und Patienten halte ich für besonders leicht manipulierbar, weil sie sehr oft durch Angst und Sorge verunsichert sind.

Im Bereich der Gynäkologie fällt auf, dass (männliche) Forscher den weiblichen Körper pathologisieren (Pubertät, Menstruation, Schwangerschaft, Entbindung, Menopause als Krankheiten). Dass Patientinnen leider weder umfassend beraten werden noch umfassenden Zugang zu wichtigen Informationen haben, zeigt sich deutlich am Beispiel der Hormonersatztherapie, die uns lange Zeit als ausschliesslich segensreich verkauft wurde. Mittlerweile sind die gefährlichen Nebenwirkungen (Anstieg der Brustkrebsrate) bzw. das Ausbleiben erwünschter Wirkungen (Osteoporose-Prophylaxe) dokumentiert und publiziert. Trotzdem raten Ärzte Frauen nach wie vor dazu, und Frauen glauben immer noch, sich damit die ewige Jugend und Schönheit sichern zu können. Auch in der Debatte um die Reproduktionsmedizin werden die massiven Hormonbomben, mit denen gearbeitet wird, gern unterschlagen.

Ich halte es für Wunschdenken, davon auszugehen, dass Patentinnen (und Patienten) in der Lage sind, medizinische Errungenschaften/Therapien/Angebote im Alleingang zu beurteilen, nachdem sie sich im Alleingang umfassend informiert haben. Wir alle sind auf Beratung durch Fachleute angewiesen, und deshalb tragen die Beratenden Verantwortung.

Ein anderer Vorwurf von Frau Jancsy an mich lautet, ich hielte die Frauen für zu blöd, um zu beurteilen, was Mutterschaft bedeutet. Das tue ich selbstverständlich nicht. (Obwohl ich schon glaube, dass theoretische Kenntnisse vor praktischen Überraschungen nicht schützen). Geschrieben habe ich über den obsessiven Kinderwunsch, der zum alles beherrschenden Lebensthema wird und keine alternativen Lebenspläne mehr zulässt. Derart obsessive Wünsche sind fast immer mit Erlösungsfantasien verbunden, im speziellen also mit der Fantasie, dass das ersehnte Kind alles zum Guten wenden wird.

So viel zum hoffentlich besseren Verständnis der Auseinandersetzung."