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Foto: APA/Roland Schlager

London - Der Chef der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohamed El Baradei, forderte die irakische Regierung in einem dringenden Appell erneut zur besseren Zusammenarbeit auf, um einen Krieg abzuwenden. "Sie müssen schnell zeigen, dass es einen Gesinnungswechsel gibt", sagte El Baradei der britischen BBC. Die Waffenexperten könnten nach seiner Ansicht in "wahrscheinlich vier oder fünf Monaten" feststellen, ob der Irak über Atomwaffen verfügt. Der irakische Machthaber Saddam Hussein dürfe nicht länger den Eindruck erwecken, zur Abrüstung gezwungen werden zu müssen.

El Baradei: Staaten sollen gegenüber Nordkorea ebenso hart auftreten

Baradei forderte die internationale Staatengemeinschaft zudem auf, in der Frage des nordkoreanischen Atomprogramms eine ähnlich harte Haltung einzunehmen wie in der Irak-Frage. Der Stand des nordkoreanischen Atomprogramms sei "viel weiter fortgeschritten" als in Irak. "Die Taktik kann sich unterscheiden, aber das Ziel ist dasselbe: keine Toleranz für die Verbreitung" von Atomwaffen, sagte Baradei. Die Welt müsse in "dringlicher und entschiedener Weise" gegenüber Nordkorea auftreten, weil sonst die internationalen Abkommen zur Nicht-Verbreitung von Atomwaffen in Frage gestellt würden. El Baradei hat hingegen der Einschätzung der USA widersprochen, der Irak habe substanziell gegen die UNO-Abrüstungsresolution verstoßen. Die Inspektoren würden aber nicht eher von einem substanziellen Verstoß gegen die Entschließung sprechen, bis tatsächlich ein "grober Verstoß" gegen die Resolution vorliege. Allerdings sei es das Vorrecht des Sicherheitsrats, darüber zu befinden. Die USA und Großbritannien sind der Ansicht, dass der Irak bereits substanziell gegen die Resolution verstoßen habe, was eine Militärintervention gegen das Land rechtfertigen würde.

"Mehrere Monate"

Die UN-Waffeninspektoren bräuchten noch "mehrere Monate Zeit", um eine mögliche Atomwaffenkapazität des Irak nachzuweisen, präzisierte El Baradei. Er werde "sein Bestes" tun, um einen Krieg zu verhindern. "Das wäre ein großer Sieg für die Menschlichkeit", fügte der IAEO-Chef hinzu. Zugleich beotnte er: "Wie viele Monate wir noch brauchen, hängt von der Zusammenarbeit des Irak ab". Es sei jetzt "psychologisch sehr wichtig", dass der Irak seine Haltung ändert und "Eifer für eine Entwaffnung" bezeugt. Es gehe darum, einen Krieg mit "unkalkulierbaren Folgen" zu verhindern. "Ein paar Monate mehr wären eine große Investition in den Frieden."

El Baradei und Chefinspektor Hans Blix, dessen Kontrollore im Irak nach chemischen, biologischen und ballistischen Waffen fahnden, hatten im Irak am Montag in einem Bericht an den UNO-Sicherheitsrat mangelnde Zusammenarbeit mit den Kontrolloren vorgeworfen. Der Irak habe bisher nicht nachgewiesen, dass es seine Massenvernichtungswaffen gemäß den Auflagen der Vereinten Nationen beseitigt habe, erklärten die Inspektoren. Unter anderem wurden Mängel an dem Waffendossier angeführt, das der Irak gemäß den Auflagen der UNO vorlegen musste. El Baradei hatte zugleich erklärt, es gebe bisher keine Beweise, dass Bagdad sein Atomwaffenprogramm wieder aufgelegt habe.(APA/Reuters/dpa)