"Zur Zeit" rezensiert NPD-nahe Homepage: "Oppositionelle Netzseite" Betreiber im deutschen Verfassungsschutzbericht 2001 - DÖW: Neonazistische Homepage - "Zur Zeit"-Vertreter: Keine Solidarisierung mit Inhalten der Homepage

"Das etwas andere Netz-Radio ..." - unter dieses Motto stellt die jüngste Ausgabe der Wochenzeitung "Zur Zeit" eine Rezension der deutschen Homepage "radio-freiheit" vor. Bei dem Betreiber handelt es sich laut Domainauskunft um einen gewissen Waldemar M., der im Thüringer und im bundesdeutschen Verfassungsschutzbericht 2001 als Redaktionsmitglied der "Deutschen Stimme", des Zentralorgans der mit dem Verbot bedrohten Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), vermerkt ist. Ein "Zur Zeit"-Vertreter betonte dazu, der Artikel sei keine Solidarisierung mit den Inhalten der Homepage.

"Informationen aus der Dissidentenszene"

"Ein besonders interessantes Beispiel für eine oppositionelle Netzseite ist jene von 'Radio Freiheit', da sie im Gegensatz zu den meisten anderen vergleichbaren Seiten aus dem nationalen Spektrum die technischen Möglichkeiten des Mediums mehr ausschöpft", heißt es in "Zur Zeit". Herzstück der Homepage seien die nur über das Netz empfangbaren Sendungen von "Radio Freiheit", "eine Mischung aus Musik und Wortmeldungen, zumeist sehr pointierte Kommentare zum aktuellen politischen Geschehen oder spezifische Informationen aus der Dissidentenszene der BRD". Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) schätzt die Homepage als "neonazistisch" ein.

Verurteilt

"Die Musik beinhaltet die gesamte Palette dessen, was man unter 'Rechtsrock' zusammenfasst, sowie Liedermacher wie Frank Rennicke", heißt es weiter in "Zur Zeit". Der laut DÖW "neonazistische" Rennicke wurde erst im vergangenen Jahr in Deutschland wegen Volksverhetzung verurteilt. Unter dem Begriff "Rechtsrock" wird laut DÖW und anderen Experten das Spektrum einschließlich neonazistischer Skinhead-Bands subsumiert.

Nationale und Soziale

Zu Waldemar M. ist im Thüringer Verfassungsschutzbericht zu lesen, dass er sich in einer Ausgabe der "Deutschen Stimme" mit einem "klaren Bekenntnis zur Volksgemeinschaft und zu einem volksbezogenen Sozialismus" geäußert habe: "Die wirkliche Volksherrschaft wird in Deutschland erst dann Wirklichkeit, wenn die Deutschen als Volk ihre nationale Identität wiedererlangen. Dies kann erst nach Abschüttelung der politischen, wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Fremdherrschaft erfolgen. Der Weg dorthin geht nur über eine Revolutionierung der bestehenden Verhältnisse. Dies kann nur eine nationale und soziale Fundamentalopposition bewerkstelligen, die den politischen Kampf gegen die 'bürgerliche Mitte', die alles das vertritt, was wir zutiefst verachten müssen, rücksichtslos führt."

Ein reiner BEricht

Ein Vertreter der "Zur Zeit"-Redaktion erklärte gegenüber der APA, dass es sich bei dem Artikel rein um eine Darstellung der Seite handle, es sei ein "reiner Bericht". Der Sprecher weiter: "Der Artikel ist keine Meinungsdarstellung, geschweige denn eine Solidarisierung mit den Inhalten auf der Seite von 'Radio Freiheit'."(APA)