Wien - Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, hat am Donnerstag Bilanz über das dritte Weltsozialforum gezogen, das vom 23. bis 28. Jänner in Porto Alegre stattgefunden hat. "Das Sozialforum hat sich einfach wieder als ein Platz erwiesen, der Alternativen und Strategien - und zwar sehr kreative - aufzeigt", sagte Lunacek am Donnerstag in Wien. Porto Alegre habe gezeigt, dass "der Druck der sozialen Bewegungen auf internationale Institutionen wie den Währungsfonds nicht zu unterschätzen ist". Es sei durchaus spürbar, dass sich etwas bewege.

Lunacek räumt "organisatorische Defizite" ein

Gleichzeitig habe es jedoch "organisatorische Defizite" gegeben. Das Programm der Veranstaltung wurde etwa erst am ersten Tag des Forums fertig gestellt. Möglicher Grund: die vielen Teilnehmer. 100.000 Menschen aus 156 Ländern waren anwesend: 20.763 Delegierte aus fünf Kontinenten, etwa 4.000 Journalisten und mehr als 5.700 Nichtregierungsorganisationen.

Kritik am Übergewicht der Promis

Außerdem erhielten bekannte Globalisierungskritiker wie etwa der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano ("Die offenen Adern Lateinamerikas") und der US-Linguist Noam Chomsky sehr viel Aufmerksamkeit. "Das nimmt Gewicht weg von den kleineren Workshops und Podiumsdiskussionen, die für das Weiterbringen der Bewegung mindestens genauso wichtig sind wie die großen Namen", sagte Lunacek.

Beteiligung von Asien und Afrika gefordert

Damit die Veranstaltung tatsächlich zum Weltsozialforum werde, bedarf es auch der Beteilung aus Asien und Afrika. Nach Auffassung Lunaceks ist es daher sinnvoll, dass das Forum im kommenden Jahr in Südindien stattfinden soll. Sinnvoll wäre auch, wenn mehr Politiker aus Österreich daran teilnähmen: Konkret sprach die Grüne Politikerin eigene Parteimitglieder, Sozialdemokraten oder auch "Gewerkschafter der obersten Ebene" an. Heuer war Lunacek die einzige österreichische Parlamentarierin.

Ein dominierendes Thema in Porto Alegre war der Irak-Krieg. Im Parlamentariererforum hätten die Politiker vereinbart, "dass eine Reihe von parlamentarischen Delegationen in das Land gehen soll" - als Zeichen der Solidarität mit der irakischen Bevölkerung. Eine Delegation wolle auch beim UNO-Sicherheitsrat vorsprechen. Außerdem soll es ein Treffen mit dem US-Kongress und amerikanischen Friedensbewegungen geben.(APA)