Belgrad/Banjaluka - Das offizielle Belgrad und Banjaluka zeigen sich dieser Tage eher unbeholfen, die mangelnden Ergebnisse bei der Fahndung nach den früheren bosnisch-serbischen Führern Radovan Karadzic und Ratko Mladic glaubwürdig zu rechtfertigen. Ein Spitzenfunktionär des US-Außenministeriums, Pierre Richard Prosper, forderte in der Vorwoche von Belgrad die Festnahme des ehemaligen Militärführers Mladic bis zum 31. März - sollte Serbien die für heuer geplante US-Finanzhilfe bekommen wollen. Im bosnisch-serbischen Landesteil sind den Behörden und den Helfeshelfern von Karadzic Sanktionen angedroht worden.

Fristeinhaltung "nur schwer möglich"

Der bosnisch-serbische Innenminister Zoran Djeric betonte, dass die Einhaltung der von US-Behörden gestellten Frist für die Festnahme von Mladic und zwei anderen Angeklagten (zwei jugoslawische Offiziere, die des Massakers in der ostkroatischen Stadt Vukovar angeklagt worden waren, Anm.) "nur schwer" möglich sei. Djindjic erklärte am Mittwoch, dass sich Karadzic nach Angaben seines Ministeriums nicht in der Serbischen Republik aufhalte. Ähnlich hatte zuvor auch eine Erklärung des serbischen Innenministers Dusan Mihajlovic gelautet. Die Angeklagten befänden sich nicht an ihrer Wohnadresse, versicherte Mihajlovic. Auch habe jeder Polizist, der ihnen begegnen sollte, den Auftrag, sie auf der Stelle festzunehmen.

In Belgrad wird allerdings weitgehend angenommen, dass die Festnahme des bosnisch-serbischen Militärkommandanten schwierig sein wird. Besonders Mladic dürfte über gut ausgerüstete Bodyguards verfügen. Ein Festnahmeversuch wäre daher wohl eine Angelegenheit für Spezialpolizeieinheiten und nicht etwa für einen Verkehrspolizisten. Gerade bei den Spezialpolizeieinheiten dürften sich aber weiterhin einige ehemaligen Mitkämpfer von Mladic befinden, die kaum willens sind, die Festnahme vorzunehmen.

Ministerpräsident Djindjic war im Herbst 2001 von Angehörigen der Spezialpolizeieinheit gezwungen worden, ihr zu versprechen, sie bei der Festnahme von Kriegsverbrechen nicht mehr einzusetzen. Dass sie es ernst meinte, tat die Spezialpolizeieinheit danach auch durch eine Straßensperre mitten in Belgrad kund. Inzwischen soll jedoch das Personal der Einheit zum Teil ausgewechselt worden sein.

In den vergangenen Tagen waren schwere Beschuldigungen gegen ehemalige Sondereinheiten und Polizeifunktionäre vorgetragen worden. Dies wirkte allerdings eher als Ablenkungsmanöver der Behörden, die die öffentliche Aufmerksamkeit von Mladic abwenden wollten. Die serbische Öffentlichkeit ist nämlich ganz mit der Frage befasst, ob es den Behörden endlich doch gelingen werde, einige der spektakulärsten Mord- und Kidnappingfälle der Ära Slobodan Milosevic, zu denen auch die Entführung eines Amtsvorgängers Ivan Stambolic gehört, aufzuklären. Innenminister Mihajlovic bestritt jedoch gegenüber dem TV-Sender Studio B diese Woche energisch, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver gehandelt habe.

Amtsenthebung

Die Regierung des Ministerpräsidenten Zoran Djindjic enthob außerdem vergangene Woche den bisherigen Chef der Sicherheits- und Informationsagentur, früher Staatssicherheitsdienst, Andrija Savic seines Amtes. Im Schatten des Regierungsbeschlusses ist fast unbemerkt auch ein Stellvertreter von Savic, Miladin Bracanovic, des Amtes enthoben worden. Es handelt sich um einen früheren Sicherheitsoffizier der Spezialpolizeieinheit. Dies dürfte daraufhin deuten, dass die Behörden nun bemüht sind, das Durchsickern von Geheiminformationen, vielleicht auch in Richtung von Mladic Umfeld, zu verhindern. Die Sicherheits- und Informationsagentur ist nämlich jene offizielle Stelle, die wissen soll, wo sich der ehemalige bosnisch-serbische Militärführer versteckt. (APA)