Brüssel - Die Türkei will die NATO diplomatischen Kreisen zufolge nun selbst um Schutz vor irakischen Angriffen bitten, nachdem mehrere Mitglieder des Bündnisses eine entsprechende US-Initiative blockiert hatten. Mit ihrer direkten Anfrage wolle die Türkei den Vorbehalten einiger NATO-Mitglieder gegen Vorbereitungen auf einen US-Militärschlag begegnen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus den türkischen Kreisen. "Manche Länder sehen das Paket (der von den USA vorgeschlagenen Maßnahmen) als eines der USA, sie sehen es als eines, das die USA unterstützen würde, aber wenn es von der Türkei kommt, würden sie es vielleicht nicht so sehen", sagte ein Diplomat.

Deutschland und Frankreich haben in der NATO bisher Entscheidungen über militärische Vorbereitungen für den Fall eines Irak-Kriegs verhindert. Diplomaten zufolge wollten beide Länder keine Entscheidung treffen, bevor nicht alle diplomatischen Möglichkeiten zur friedlichen Lösung des Konflikts ausgeschöpft seien. Damit solle der Anschein vermieden werden, alles laufe auf einen Militäreinsatz zu, hieß es.

Ebenso wie zuvor schon die USA werde die Türkei um die Stationierung von "Patriot"-Raketen sowie von Awacs-Überwachungsflugzeugen zum Schutz vor Angriffen des Irak bitten, verlautete aus den türkischen Kreisen weiter. Zu diesem Zweck wolle man die Verbündeten um Konsultationen bitten, wie sie der NATO-Vertrag jedem Mitglied zugesteht, das seine Sicherheit bedroht sieht. Die Anfrage werde voraussichtlich zu Beginn der kommenden Woche an die NATO gerichtet, sagte ein Diplomat. "Ich glaube nicht, dass wir zu lange warten werden." (APA/Reuters)