Graz - Ivica Osim hat es nicht leicht. Irgendwann hat jemand damit begonnen, den sympathischen Trainer, der meist mit geradezu angewiderter Miene seine Spieler beobachtete, einen Philosophen zu nennen.

Sei es, weil der ehemalige Trainer des SK Sturm und Ehrenbürgermeister von Sarajewo nicht nur über das Spiel am Rasen, sondern immer auch über Krieg, die Menschen oder das Leben selbst gescheite Dinge zu sagen weiß. Sei es auch, weil er neben einem polternden, lauten Präsidenten noch stiller und überlegter wirkte, als es der bescheidene "Welttrainer" für einen Philosophen hätte sein müssen, oder einfach darum, weil Philosophen im Fußball eine Seltenheit sind. Wie auch immer: Der arme Mann konnte in den vergangenen Jahren keinen Satz sagen, ohne dass ihm Menschen an den Lippen hingen wie wohl einst Nancy Reagan ihrem Hausastrologen. Schon Feststellungen wie "Aber so ist Fußball!" versetzten Menschen in Verzückung ob der stillen Weisheit, die sie hinter den Worten erahnten.

Monolog zum Abschied

Es schien unabdingbar: Der beliebteste und erfolgreichste Trainer der Stadt, der mit seinem Abgang gebrochene Herzen unter seinen Fans zurückließ, bekam ein Stück geschrieben. Martin G. Wanko legte Ivica einen Monolog zu Füßen, der nun im Keller des Steirischen Fußballverbandes seine Uraufführung erlebte. Trainer, König, General will eine Mischung aus Königsdrama und Osim-Bonmots sein, die durch die etwas eindimensionale Inszenierung des Forum-Stadtpark-Regisseurs Ernst M. Binder zum torlosen Spiel wurde. Binder, der eine Vorliebe für Theatermonologe hat und diese auch immer wieder spannend zu inszenieren weiß, ging ein wenig auf die Figur des Trainers, sich wiederholend auf den General und so gut wie gar nicht auf seinen größenwahnsinnigen König ein.

Doch auch der Text ist widersprüchlich. Wer hätte das gedacht: Der Kriegsverächter und Atheist Osim als General, der seine Männer in die Schlacht schickt und glaubt, Gott wolle ihm etwas zeigen.

Der bulgarische Schauspieler Valentin Iossifov, der Osims Sprache und Gestus genau studiert hat, wird eineinhalb Stunden lang mit Sätzen wie "Fußball ist Leben, Fußball bedeutet Leben" auf einer Bühne zwischen Pokal und Tito-Porträt von der Regie weit gehend allein gelassen, um zu sinnieren, warum er (Osim) nicht schon viel früher weggegangen ist. Der echte Osim ging am Tag vor der Premiere nach Japan. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2003)