... mit entlarvenden Folgen, die wir hierzulande vermissen. Während in der "ZiB 2" Sätze wie "Dass einer paranoid ist, heißt noch lange nicht, dass er keine Feinde hat" von der Spritzigkeit des Moderators zeugen wollen und abschließende Anekdoten aus der Traurigkeit über die weltpolitische Nachrichtenlage reißen sollen, erzählt man uns bei ZDF und ARD oft im Sinne der aufklärenden Erhellung Faktisches.

In Vorkriegszeiten wie diesen sehr unterhaltsam: Wie kam etwa das Interview mit US-Außenminister Colin Powell zustande? Es habe, so der Moderator, die Pressedame des US-Ministers angerufen und ein Interview angeboten; Herr Powell wäre gerne bereit zu plaudern. Der US-Korrespondent sei erstaunt gewesen ob des einmaligen Vorgangs. Und dann kommt das freundliche Gesicht des Ministers ins Bild, und es ist zweifellos so, dass man sein mildes Antlitz und seine sympathischen Worte noch deutlicher als netten Versuch versteht, auch etwas für die öffentliche Meinung im kriegsfeindlichen Europa zu tun.

Lustig. Der Mann und seine Botschaft wirkten etwas neutralisiert. Das sind dann die kleinen Freuden des TV-Sehers, der durch Bushs Rede an die Nation ohnedies schon reich beschenkt wurde. Indem er Zeuge einer Orgie der Standing Ovations und damit der Erfindung der Politgymnastik wurde. Bei jedem zweiten Satz sprangen sie auf. Der Kongress turnte, und Bush war sein Turnlehrer. (tos/DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2003)