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Wien - Schmerzhafte Umsatz-und Ertragseinbrüche im Handel, die Ausweitung der Samstagsöffnung in Deutschland bis 20 Uhr sowie das Fehlen jeglicher Beschränkungen bei den östlichen Nachbarn erzeugen neuen Druck in Sachen Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, der in der vergangenen Legislaturperiode mit seinen Liberalisierungsplänen beim Koalitionspartner FPÖ auf Granit gebissen hatte, gibt sich zuversichtlich und kündigt an, das Thema nach der Regierungsbildung "rasch in Angriff" zu nehmen.

Doch wieder mangelt es dem Minister, über den das Gerücht kursiert, er werde der nächsten Bundesregierung möglicherweise gar nicht mehr angehören, an Unterstützern: FPÖ, SPÖ und Grüne sind skeptisch und stehen weiter auf der Bremse. Die Sozialpartner sind heillos zerstritten, auch wenn beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft gebetsmühlenartig betonen und den Handlungsbedarf gar nicht bestreiten.

Die Arbeitgeber wollen nun die seit 1997 geltende Samstagsregelung abgeschafft wissen, wonach bei Beschäftigung von Dienstnehmern nach 13 Uhr der nächste Samstag arbeitsfrei sein muss (mit Möglichkeit zu blocken).

Das ist ein rotes Tuch für die Gewerkschaft. GPA-Mann Erich Reichelt, der seit Jahr und Tag gegen das "Raubrittertum" im Handel wettert, und sich aus Angst vor Klagen das Wort "Billa" nicht mehr auszusprechen traut, kann sich längeres Offenhalten der Geschäfte nur im Gleichklang mit besseren sozialen Rahmenbedingungen für die Beschäftigten vorstellen. Gemeint sind bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die Einhaltung der Samstagsregelung in der Praxis, nicht nur auf dem Papier, und vor allem die Absicherung des Gehälter.

Denn in Wirklichkeit geht es ums Geld und nicht um die Zeit, auch wenn beides oft gleichgesetzt wird. Handelsobmann Erich Lemler argumentiert, längere Öffnungszeiten würden nur eine Umsatzverschiebung in die Abendstunden, aber keinen Mehrumsatz bringen, daher seien Mehrkosten zu erwarten. Die Gewerkschaft leitet daraus den Wunsch der Arbeitgeber nach Gehaltskürzungen ab. Reichelt fragt: "Warum soll ich notorischen Rechtsbrechern auch noch was drauflegen?"

Heftig gestritten wird auch über die Überstundenzuschläge, die in Österreich 100 Prozent ausmachen, bei den östlichen Nachbarn aber nur 20 Prozent - bei einem um zwei Drittel niedrigeren Gehaltsniveau als in Österreich. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 31.1.2003)