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foto: apa/sahib

Wien - Der Irakkonflikt wirft seine Schatten auch auf die österreichische Exportwirtschaft. Nachdem in den ersten zehn Monaten des Vorjahres rund 87 Mio. € und damit ein Plus von 186 Prozent eingefahren werden konnte, kam es Anfang November zum ersten einschneidenden Rückgang des Exportvolumens, nachdem die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) die Garantien für den akuten Krisenherd Irak ausgesetzt hatte.

Auf eigenes Risiko

Firmen, die jetzt noch in den Irak Ware liefern, tun dies auf eigenes Risiko. "Bei einem Kriegsausbruch würde das Volumen faktisch auf null wegbrechen", ist sich der Experte für den Mittleren Osten in der Bundeswirtschaftskammer, Horst Machu, im Gespräch mit dem STANDARD, deshalb sicher.

Österreichische Firmen machen im Rahmen des seit dem UN-Embargo 1997 geltenden "Food for Oil"-Programmes und unter UN-Kontrolle mit dem Irak Geschäfte.

Rund 70 Firmen exportieren neben Nahrungsmitteln auch Medikamente und medizinische Ausrüstungen, Rohre für die Ölindustrie sowie Ersatzteile für die Stromerzeugung, die Bahninfrastruktur und die Landwirtschaft.

"Exportgarantien bleiben aufrecht"

Doch auch Exporteure in US-freundliche Länder, die im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung faktisch kriegsnahes Gebiet würden, müssten dann mit spürbaren Geschäftsrückgängen rechnen, so Machu. Importeure in Ländern wie Ägypten, Jordanien, der Türkei, in Saudi-Arabien und in den Golf-Emiraten würden dann nur äußerst kurzfristig und vor allem viel weniger ordern.

Auf STANDARD-Anfrage versichert man in der OeKB jedenfalls dezidiert, dass für diese Staaten "die Exportgarantien in ihrer derzeitigen Form aufrecht bleiben".

Firmen wie die Vamed (medizintechnische Ausstattung) gehen mit ihren Irak-Projekten jedenfalls auf Nummer sicher: Sie haben sie bis auf weiteres eingefroren. Glück hat die VA Kindberg. Größere Posten an Rohrlieferungen für die Ölindustrie wurden bereits 2001 abgeschlossen. Derzeit stünden "nur mehr minimale Restposten zur Lieferung an", heißt es.

OMV als Irak-Importeur

Bleibt die OMV als Importeur von zuletzt rund 665.000 Tonnen irakischem Rohöl (dies entspricht zehn Prozent des in der Raffinerie Schwechat verarbeiteten Öls). Darauf angesprochen, versichert OMV-Sprecher Thomas Huemer, dass "ein Ausfall mit Ölimporten aus den Schwarzmeer-Ländern kompensiert werden könnte". Weltweit sei derzeit genug Öl am Markt.

Im Kriegsfall würde der Ölpreis maximal zwei, drei Tage aus dem derzeit aktuellen Preisband (22 bis 28 US-Dollar pro Barrel) nach oben ausscheren. So ein Szenario habe es beim letzten Irakkrieg gegeben. Also würde auch diesmal ein mittelfristiger Anstieg des Ölpreises nach nicht eintreten. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 31.1.2003)