Jedes Jahr das gleiche Lied: mehr Geld, mehr Geld, mehr Geld. Österreichs Förderinstitutionen werden mit Anträgen forschungswilliger Firmen förmlich zugeschüttet, müssen aber viele gute Projekte ablehnen, weil die Marie fehlt. Das führt dazu, dass schon geschrien wird, bevor die Mittel verbraucht sind - quasi präventiv. Aus Sicht von FFF, FWF, oder wie auch immer die Institutionen heißen, ist das verständlich: besser ein Projekt zu viel fördern als eines zu wenig. Schließlich besteht weitestgehend Konsens in Österreich, dass Forschung wichtig ist für das Land, für die Arbeitsplätze, für das tägliche Brot.

Dennoch kann es so nicht weitergehen. Im permanenten Ringen um Geld verpufft viel Energie. Kompetenzstreitigkeiten zwischen Infrastruktur-, Wirtschafts- und Bildungsministerium in Forschungsfragen wirken sich zusätzlich lähmend aus. Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschungsquote von derzeit 1,9 Prozent - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - auf 2,5 Prozent im Jahr 2005 zu steigern und damit mit anderen Ländern der EU gleichzuziehen. Eine grundlegende Reform der Förderlandschaft tut Not. Die geplante Dachorganisation für Forschung, Technologie und Innovation als zentrale Einlaufstelle aller Förderansuchen hat auf den ersten Blick Charme.

Auf den zweiten Blick schaut es aber schon weniger gut aus. Es besteht die Gefahr, dass die wirtschaftsnahe Forschung auf Kosten der Grundlagenforschung gepusht wird. Japan hat im Automobilbau vorgezeigt, was das heißt. In den Achtzigerjahren zitterten ganz Europa und auch die USA vor den begnadeten Nachbauern aus Fernost. Europa und allen voran Deutschland hielt mit einer forcierten Grundlagenforschung und innovativen Konzepten dagegen. Resultat: Der alte Kontinent holte sich damit die Technologieführerschaft zurück. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 31.1.2003)