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Foto: REUTERS/Sergei Karpukhin

Wie ein Löwe kämpft Mohamed ElBaradei, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, mit zum Teil recht politisch klingenden Ansagen für mehr Zeit für die Irakinspektoren - und ist damit wohl auf dem besten Weg, Hans Blix, den Chef der UN-Waffenkommission Unmovic, als Buhmann der US-Falken zu ersetzen.

Der 60-jährige, hochgewachsene Ägypter, der gleichzeitig in der im Irak mit Flugzetteln und im Radio verbreiteten US-Propaganda als Feind Saddam Husseins angeführt wird, nimmt es gelassen: Dass die einen sagen, er sei als Araber eben duldsamer gegenüber den Irakern, die anderen, er sei umso härter - um sich nicht dem Verdacht finsterer Sympathien auszusetzen -, ist auch wahrscheinlich gar nicht zu vermeiden.

Er selbst sieht das so: Als internationaler Beamter ist man seiner nationalen Identität entledigt. Tatsächlich ist ElBaradei ein UN-Vollblut, er vertrat, bevor er zur IAEO kam, sein Land in Genf und New York - wo er auch Jus studiert hatte und später an der New York University unterrichtete.

Aber ElBaradei (dessen Namen korrekterweise auf dem zweiten a betont wird, was sich noch nicht einmal in seiner IAEO herumgesprochen hat; über die komplizierte Aussprache des -ei breiten wir den Mantel des Schweigens) stammt zwar aus Kairo, ist aber seit mittlerweile fast zwanzig Jahren auch Wiener: 1984 kam er an die hier ansässige Atomenergiebehörde, war dort Chef der Rechtsabteilung und später Vizegeneraldirektor für Äußere Beziehungen, bis er 1997 Hans Blix, seinen jetzigen medialen Zwilling, als Generaldirektor beerbte.

Seit 2001 ist ElBaradei bereits in seiner zweiten Amtszeit, als Fachmann und Person unbestritten - was im Intrigantenstadel jenseits der Donau keine Selbstverständlichkeit ist. Beliebt ist aber dort nicht nur der charmant und gleichzeitig energisch auftretende Dee-Gee (Director General) selbst, dem man nachsagt, dass er sich um jede Kleinigkeit kümmert, sondern auch seine Frau Aida, eine distinguierte, sympathische Frau, die im Kindergarten der Vienna International School arbeitet. Die beiden erwachsenen Kinder, Laila und Mustafa, arbeiten in London: die Tochter als Rechtsanwältin, der Sohn, der Biotechnologie studiert hat, als Tontechniker.

Eine seiner Kraftquellen neben der Familie ist die Musik: Ein guter Wissenschafter sollte auch Bruckner und Schönberg kennen, sagte ElBaradei einmal. Immer wieder, zuletzt in Moskau, gelingt es ihm, Zeit für einen Konzertbesuch abzuzwacken. Leute, die sein Heim kennen, loben seinen Kunstgeschmack im Allgemeinen. Das Squash, von dem wir anlässlich seines Amtsantritts 1997 berichten konnten, hat er mittlerweile aufgegeben, zugunsten des weniger wilden Golfens. (Gudrun Harrer DER STANDARD, Printausgabe, 31.1.2003)