Hirschmann und Dörflinger beim Fruchtsaft mit dem Magnaten Frank Stronach

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Graz - Was auffiel: Kein Wort des Bedauerns war aus den Büros der Parteispitzen zu hören, als die beiden steirischen Landesräte Gerhard Hirschmann (VP) und Günter Dörflinger (SP) am Freitag im selben Grazer Exklusivhotel - einer nach dem anderen - ihr Ausscheiden aus der Politik bekannt gaben. Was die Vermutung aufkommen ließ: So ganz unrecht ist es den Parteigranden von ÖVP und SPÖ gar nicht, dass sich die zwei nicht immer bequemen Landesräte eine Aufgabe außerhalb der Politik gesucht haben.

Dass beide in die Energie Steiermark Holding AG (Estag), an der das Land 75 Prozent hält, wechseln, ließ aber naturgemäß Kritik laut werden. Es sei "kein Versorgungsjob", wehrte sich Hirschmann, es sei für ihn "einfach Zeit, etwas anderes zu machen", für den Estag-Vorstandsposten bringe er "genügend Qualifikation" aus der Politik mit. Ähnlich argumentierte auch Dörflinger, der eine Stufe tiefer, in die Vorstandsetage der Estag-Tochter Ferngas AG, einziehen wird. Er habe sich im Spitalsbereich, der bei ihm als Landesrat ressortiere, genügend Erfahrungen als Manager sammeln können. Hirschmann und Dörflinger werden am 8. April ihre letzten Landtagssitzungen abhalten. Beide sagten, dass auch ein gewisses Maß an Verdrossenheit den Entschluss, die Politik zu verlassen, beschleunigt habe. Hirschmann erwähnte seinen hartnäckigen Kampf gegen die Politikbürokratie, gegen die Unsinnigkeiten von Landtagen. Der scheidende VP-Querdenker: "Landtagssitzungen sollten nur fünfmal jährlich abgehalten werden. Wobei vier davon schon zu viel sind." Dörflinger ließ durchblicken, dass er mit der Entwicklung seiner Partei, der mangelnden Öffnung, wie er sie anstrebe, nicht zufrieden sei. Er wurde über Jahre als Landesparteichef und auch als Grazer Bürgermeister gehandelt. Er hatte aber nie zugegriffen. "Ein Teil war immer gegen mich", es hätte "die Partei gespalten." So blieb Dörflinger ewiger Reservist.

In der ÖVP gelten VP-Landesgeschäftsführer Andreas Schnider oder Exrektor der Universität Graz, Wolf Rauch, als potenzielle Nachfolgekandidaten, in der SPÖ ein Quereinsteiger aus dem Gesundheitsbereich. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2003)