Oslo/Paris - Norwegens Regierung will einen möglichen UN-Beschluss über militärische Schritte gegen den Irak nicht in jedem Fall unterstützen. Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik sagte in der Osloer Zeitung "Dagsavisen" (Freitagsausgabe), die Entscheidung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sei von großem Gewicht. Er meinte weiter: "Wir können uns aber trotzdem nicht der eigenen Verantwortung entledigen."

Interessant sei, dass nicht mehr Regierungschef Brief unterschrieben haben

Der christdemokratische Politiker hatte schon in der letzten Woche angekündigt, dass sein Land möglicherweise die weitgehende deutsche Ablehnung aller militärischen Optionen im Irak-Krieg übernehmen will. Zu dem am Donnerstag veröffentlichten Unterstützungsbrief von europäischen Staats- und Regierungschefs für die Irak-Politik der USA meinte Bondevik: "Sollte das als Initiative aus EU-Kreisen gedacht sein, dann ist wohl am interessantesten, dass nicht mehr Regierungschefs unterschrieben haben."

Jospin: Frankreich darf nicht an Irak-Krieg teilnehmen

Ex-Premier: Berlin und Paris sollen europäische Partner überzeugen

Der frühere französische Premierminister Lionel Jospin hat sein Land vor der Beteiligung an einem Krieg gegen den Irak gewarnt. "Wenn dieser Krieg stattfindet, darf Frankreich nicht daran teilnehmen", schrieb der ehemalige sozialistische Parteichef und Präsidentschaftskandidat in einem Gastbeitrag für die Pariser Tageszeitung "Le Monde" (Samstag-Ausgabe). Er wünsche sich, dass Frankreich "gemeinsam mit Deutschland unsere europäischen Partner überzeugt, diese Position ebenfalls einzunehmen". Gelinge dies nicht, müsse das Land für sich selbst entscheiden.

"Destabilisierende" Wirkung

Ein Krieg gegen den Irak würde insgesamt gesehen "destabilisierend" wirken, warnte der Ex-Regierungschef. Eines der Ergebnisse wäre seiner Ansicht nach ein Wiedererstarken des Terrorismus. Zudem werde die arabische Welt durch einen solchen Feldzug "gedemütigt", warnte Jospin. Auch für die Konjunktur seien die Folgen negativ. Die jetzige französische Führung kritisierte der bis Mai 2002 amtierende Pariser Regierungschef für ihre Haltung in der Irak-Krise. Frankreich stelle sich formal hinter die noch offene Position des UNO-Sicherheitsrates, doch bleibe die grundsätzliche Haltung des Landes "unentschieden und zweideutig". (APA/dpa)