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Tiere dürfen in Zukunft hoffentlich Land statt Gitter sehen.

apa/epa/Dempsey

Leipzig - Zwei Leipziger Professorinnen sind angetreten, um die Zahl der Tierversuche in der Medizin deutlich zu verringern: Karen Nieber vom Institut für Pharmazie und Sunna Hauschildt vom Institut für Zoologie an der Uni Leipzig. Die Wissenschafterinnen wollen auf der Basis von menschlichen Zellen ein Ersatzmodell entwickeln.

"Anstatt der Tiere verwenden wir humane Monozyten, die aus menschlichem Blut gewonnen werden", sagt Nieber. Anhand einfach zu ermittelnder Parameter sollen dabei unerwünschte entzündungsfördernde Wirkungen von Arzneimitteln erkannt werden. Das gleiche Modell kann der Forscherin zufolge später auch zur Charakterisierung entzündungshemmender Effekte neuer Wirkstoffe eingesetzt werden. Gelinge dies, könne auf Tierversuche bereits während der Entwicklung von neuen Medikamenten verzichtet werden.

Tierversuche noch Standard

Von der neuen Methode erwarten die Wissenschafterinnen, dass sie genauso viele Erkenntnisse liefert wie die Tierversuche. Bewahrheitet sich das, könnte das Testsystem im Reagenzglas schrittweise die aufwendigen und kostenintensiven Tierversuche ersetzen. Bisher gibt es nur sehr wenige In-vitro-Methoden, bei denen jedoch mit tierischen Zellen gearbeitet wird.

Noch sind Tierversuche allgemeiner Standard. Dabei werden die Reaktionen des tierischen Organismus oder seiner Gewebe auf verschiedenartige, meist schädigende Reize getestet. Ziel ist es, die Ursache einer Erkrankung zu erkennen und ihre Auswirkungen zu beseitigen. Dabei spielen Veränderungen im Immunsystem verbunden mit der Freisetzung von hormonähnlichen Wirkstoffen im Entzündungsprozess eine wichtige Rolle.

Qualen

Die Tierversuche sind bis heute mit großen Belastungen und Qualen verbunden. Die Suche nach wirksamen Substanzen hat oft einen unerwünschten Nebeneffekt: Chemische Stoffe können Entzündungen einleiten, die sich verheerend auf den tierischen Organismus auswirken. "Da in den nächsten Jahren verstärkt neue Therapien und Wirkstoffe gegen Entzündungen zu erwarten sind, wird auch die Anzahl der Tierversuche steigen. Dies gilt es zu verhindern", sagt Nieber.

Nach Auskunft des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller entfällt die Hälfte aller statistisch erfassten Versuchstiere auf den Bereich der Arzneimittelforschung. Nach dem letzten deutschen Tierschutzbericht starben im Jahr 2000 rund zwei Millionen Wirbeltiere, davon 53,5 Prozent Mäuse und 26,6 Prozent Ratten. (APA/AP)