Der US-Computerkonzern Dell will seine Deutschland-Tochter neu strukturieren. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet, sollen in Deutschland bis Ende September 180 von derzeit 680 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Die Landestochter soll künftig stärker in die europäische Organisation eingebettet werden soll. Laut Analystenmeinung dürfte vor allem das Geschäftsmodell des Direktvertriebes von Dell in Deutschland nicht funktioniert haben. Der US-Konzern ist zumindest in Deutschland von seinem Ziel, in jedem Land, in dem er tätig ist, Marktführer zu werden, weit entfernt. Man wolle sich nun verstärkt auf Business-Kunden fokussieren. Der Posten von Deutschlandchef Mathias Schädel, der auch dem Europamanagement angehört, sei nicht gefährdet.

Stagnation

Nach den jüngsten von Gartner veröffentlichten Zahlen kam Dell im deutschen PC-Markt im vierten Quartal auf einen im Vergleich zum Vorjahr stagnierenden Marktanteil von sechs Prozent. Damit liegt der PC-Hersteller nach wie vor auf Platz vier. Billiganbieter wie Medion oder Acer haben den als weltweit effizientesten Computerbauer geltenden US-Riesen klar abgehängt. Im Servermarkt sieht die Situation nicht besser aus. Experten bewerten die drastischen Eingriffe in Deutschland als Signal, dass die Konzernzentrale im texanischen Austin mit der Leistung der deutschen Tochter unzufrieden ist. "Dell hat sich hier zu Lande vom Jahr 2002 sicher mehr erwartet", zitiert die FTD die Gartner-Analystin Meike Escherich.

Prognosen

Konzernchef Michael Dell hatte vor einem Jahr Deutschland neben China, Frankreich und Japan als die wichtigsten Wachstumsmärkte seines Unternehmens bezeichnet. Die angekündigten Kürzungen und Umbauten markieren einen klaren Strategiewechsel. Schuld an der Misere sei unter anderem der Direktverkauf ohne Händlernetz. "Das funktioniert in den USA. In Deutschland wünschen aber viele Kunden eine Beratung", so Escherich. Ein Dell-Sprecher begründete die Kürzungen mit einem hohen Kostendruck im Endkundenmarkt, schreibt das Blatt. Allerdings wolle sich Dell künftig ohnehin mehr auf den Firmenkunden-Markt konzentrieren und den Konsumentenmarkt den Billiganbietern überlassen. Ob diese Strategie vielversprechend ist, wird sich angesichts der derzeit herrschenden Investitionsunlust bei Unternehmen noch weisen. (pte)