Wien - Kreditnehmer, denen heimische Banken in der Vergangenheit möglicherweise überhöhte Zinsen verrechnet haben, können jetzt im Internet auf ein neues Service des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zurück greifen. Auf seiner Homepage bietet der VKI nach Angaben vom Freitag ein Programm, mit dem man zu viel bezahlte Beträge selbst errechnen kann.

Wie berichtet gab es kürzlich ein Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH). Österreichs größtes Geldinstitut, die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), wurde dazu verpflichtet, bei laufenden Kreditverträgen eine neue Berechnung des offenen Saldos und Zinssatzes durchzuführen und zu viel verrechnete Zinsen zurück zu zahlen.

Sein neues Service legt der VKI jenen Konsumenten nahe, die bei der BA-CA nach dem 1. März 1997 einen Kredit mit variablen Zinsen aufgenommen haben und deren Vertrag die gerichtlich beanstandete Zinsgleitklausel mit "Aufrundungsspirale" enthält. Sollte der Kredit noch nicht zurück bezahlt sein, so der VKI, müsse die BA-CA von sich aus die zu viel verrechneten Zinsen zurück zahlen. Mit Hilfe des VKI-Service können Verbraucher nun überprüfen, ob der Betrag der angebotenen Gutschrift stimmt.

Ist der Kredit bereits zurück bezahlt, ist die BA-CA nicht verpflichtet von sich aus tätig zu werden. In diesem Fall sollten Konsumenten die Bank auffordern, den Kreditbetrag nachzurechnen und zu viel bezahlte Beträge zurück zu erstatten, rät der VKI. Auch hier helfe der Check auf der "Konsument"-Site, sich über die Höhe der Summe zu orientieren.

Verbandsklagen wegen der "Aufrundungsspirale" in Kreditverträgen hat der VKI auch gegen die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) und die Bawag P.S.K. eingebracht - ein rechtsgültiges Urteil steht noch aus. Auf Grund unterschiedlicher Formulierungen der Zinsgleitklauseln lasse sich das neue Internet-Rechenprogramm des VKI auf solche Verträge nicht einfach übertragen, hieß es. Es soll aber zumindest eine Orientierungshilfe sein. (APA)