Wien - FPÖ-Volksanwalt Erwald Stadler rechnet in der Wochenzeitung "Zur Zeit" mit den parteiinternen Kritikern des von ihm mit begründeten "Clubs der Freunde Jörg Haiders - Club Jörg" ab. Als Ziel des Clubs nennt er, "zu einer fälligen Rehabilitierung Jörg Haiders einen Beitrag zu leisten", was sich durchaus auch auf die eigene Partei bezieht. Die Bundesparteiführung sieht Stadler derzeit nämlich nur nach der Pfeife des "Traumkoalitionspartners ÖVP" tanzen.

Außerdem stellt Stadler bei seinen Parteikollegen Gefühle wie "Neid und Missgunst" gegenüber Haider wegen dessen politischer Erfolge fest. Auch dies habe dazu beigetragen, dass sie eine "Komplizenschaft mit seinen politischen Gegnern" eingegangen seien. Und "vor lauter Schielen zur ÖVP" bemühe sich die Parteiführung auch nicht um die FPÖ-Anhänger, die sich wegen der "unverständlichen Behandlung" Haiders von der Partei abwenden wollten. Diese Anhänger zu binden, sei ebenfalls Ziel des "Clubs".

Jörg Haider verdiene Solidarität wegen seiner Verdienste um und für die FPÖ - und zwar "gerade jetzt, wo zum einen offenkundig wird, dass er Leuten ein Übermaß an Vertrauen geschenkt hat, welche dieses Vertrauen weder verdient noch gerechtfertigt haben, und zum anderen ihm diese Leute gemeinsam mit dem politischen Gegner Steine nachschmissen, als er ihre Unterstützung gebraucht hätte", schreibt Stadler.

FPÖ wehrt sich gegen Vorwurf der Zahlungsunfähigkeit

Die FPÖ wehrt sich unterdessen gegen Berichte über Probleme bei der Abdeckung von Wahlkampfkosten. Finanzreferent Detlev Neudeck, der vor allem dem Eindruck der Zahlungsunfähigkeit vorbauen möchte, erklärte am Freitag im Gespräch mit der APA, man habe mit den Vertragspartnern eine Zahlung offener Rechnungen nach Erhalt der Wahlkampfkostenrückerstattung des Bundes vereinbart. Dies sei nun auch so erfolgt. Strittig ist hingegen das Verhältnis zum früheren Bundesgeschäftsführer Gernot Rumpold und seiner Werbeagentur, bestätigte er.

Konkret hat der Wahlkampf der Bundes-FPÖ nach Angaben Neudecks rund 3,5 Millionen Euro gekostet. 1,16 Mio. Euro betrage die Wahlkampfkostenrückerstattung des Bundes. Weil insgesamt die Finanzsituation der Partei nach der Wahlniederlage nicht rosig sei, habe man mit den Werbefirmen - konkret nannte der Finanzreferent Schuster Werbung und Gewista - eine Zahlung nach Erhalt des Geldes vom Bund vereinbart. Die über die Rückerstattung hinaus gehenden Gelder habe man auftreiben können. Dass es dabei insgesamt um rund 2,4 Mio. Euro gehe, sei jedenfalls falsch.

Komplizierter ist das Verhältnis zu Rumpolds "media connection". Laut Neudeck gab es von beiden Seiten schon länger Bemühungen um eine Vertragsauflösung, man habe sich aber nicht über die entsprechenden Abschlagszahlungen einigen können. Nun sei die FPÖ aber der Meinung, dass ein einseitiger Ausstieg aus dem Vertrag möglich sei. Wenn jemand seinem Vertragspartner über die Medien etwas ausrichte, brauche es für einen derartigen Schritt nicht einmal entsprechende Klauseln im Vertrag, ist Neudeck überzeugt.

Der Säckelwart der Freiheitlichen bezog sich damit auf wiederholte Medienberichte über Auseinandersetzungen zwischen der FPÖ und ihrem Ex-Geschäftsführer. Die Größenordnung der darin genannten strittigen Summe bestätigte er mit knapp 280.000 Euro. Offen sein sollen auch noch Zahlungen der Kärntner FPÖ. Hier konnte Neudeck keine Zahlen nennen. In Medienberichten war hier von rund 110.000 Euro die Rede.

Abgelehnt habe die "media connection" die Zahlung der seitens der Bundespartei offenen Gelder auf ein Treuhandkonto. Die Partei hätte damit ihre Zahlungswilligkeit belegen wollen. Frei gegeben hätte man die Mittel nach der Klärung von "Abrechnungsdifferenzen aus der Vergangenheit". (APA)