Vatikanstadt - Der Vatikan hat seine Überlegungen bekräftigt, eine Delegation nach Bagdad zu entsenden. Der vatikanische Außenminister, Erzbischof Jean-Louis Tauran, sagte laut Kathpress bei einem Kongress in Rom, der Heilige Stuhl erwäge, "in den nächsten Tagen eine konkrete Geste" zu setzen. Über Details sei allerdings noch nicht entschieden. Von der Möglichkeit der Entsendung einer Vatikan-Delegation in den Irak war schon Mitte Jänner die Rede gewesen. Mit der "konkreten Geste" könnte - so die Einschätzung von Beobachtern - auch ein Brief des Papstes an den irakischen Staatschef Saddam Hussein und an US-Präsident George W. Bush gemeint sein. Einen solchen Brief des Papstes hatte es vor dem ersten Golfkrieg gegeben.

Der möglichen Vatikan-Delegation würde Tauran selbst nicht angehören, wie er vor Journalisten bekräftigte. Die Frage, ob ein Angriff auf den Irak "legal" sei, wenn er vom UNO-Sicherheitsrat genehmigt wird, wollte Taran nicht verneinen. Er meinte aber einschränkend: "Man darf nicht vergessen, die Legalität ist eine Sache, die moralischen und humanitären Folgen sind eine andere". Tauran hatte die USA im Zusammenhang mit dem Irak-Konflikt ungewöhnlich scharf kritisiert und betont, dass kein Land das Recht habe, einen "Präventivkrieg" zu führen. Sonst entstehe die Gefahr, dass das ganze System internationaler Regelungen zusammenbreche und "das Gesetz des Dschungels" herrsche, hatte der Chef der päpstlichen Diplomatie gewarnt.

Die italienische Presse hatte gemeldet, der französische Kurienkardinal Roger Etchegaray werde mit dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein und mit US-Präsident Bush zusammentreffen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte in den vergangenen Wochen mehrfach deutlich gemacht, dass er einen Angriff auf den Irak ablehnt. Er rief alle "Menschen guten Willens" auf, sich dafür einzusetzen, einen Krieg zu verhindern. Im Irak leben annähernd eine Million Christen verschiedener Konfessionen; rund 80 Prozent sind Katholiken, überwiegend mit Rom unierte Chaldäer. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch von Babylon, Raphael I. Bidawid. Er hatte bei einem Rom-Besuch erklärt, Angriffe der USA träfen ein "gedemütigtes Volk", psychisch und physisch "zerstört durch ein Embargo, das - gerecht oder ungerecht - andere Formen haben sollte". Das Ergebnis sei, dass der Hass auf die USA weiter wachse. (APA)