Düsseldorf - Der Weg für die Übernahme des größten deutschen Gasimporteurs Ruhrgas durch den Düsseldorfer Energiekonzern E.ON ist frei. Nach monatelangem juristischen Tauziehen und tagelangem Feilschen zogen am Freitag neun E.ON-Konkurrenten ihre Beschwerden gegen die Fusion vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zurück. Die Ministererlaubnis für die Fusion sei damit rechtskräftig, berichteten übereinstimmend das Bundeswirtschaftsministerium und das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Die Rücknahme der Beschwerden erfolgte nur eine Stunde vor dem Termin, an dem der Kartellsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, eigentlich seine endgültige Entscheidung über die Gültigkeit der Ministererlaubnis mitteilen wollte. Das Gericht hatte die Übernahme auf Antrag der Wettbewerber zunächst in einer Einstweiligen Anordnung untersagt. Es galt als wahrscheinlich, dass das Gericht diese Haltung auch im Hauptverfahren betätigen würde.

Der Einigung waren tagelange Verhandlungen zwischen E.ON und seinen Konkurrenten vorausgegangen. Zunächst blieb offen, welche Zugeständnisse E.ON seinen Konkurrenten gemacht hatte. Doch hieß es in Branchenkreisen, es sei über Sonderkonditionen beim Gas und Strombezug, Unternehmensbeteiligungen und Geldzahlungen verhandelt worden.

E.ON stand auch deshalb unter Zeitdruck, weil am Freitag um Mitternacht die Frist für einen wichtigen Baustein des Ruhrgas-Geschäftes ablief: den mit der Essener RAG vereinbarten Tausch von deren Ruhrgas-Aktien gegen die Beteiligung der E.ON an dem weltgrößten Spezialchemiekonzern Degussa. In letzter Minute gelang es dem größten deutschen Energiekonzern damit doch noch, sein seit rund zwei Jahren verfolgtes Ziel zu verwirklichen, die Ruhrgas zu übernehmen und damit zur unangefochtenen Nummer eins auf dem Gasmarkt aufzusteigen.

Die zwischen E.ON und Ampere erzielte Einigung im Zusammenhang mit der E.ON-Ruhrgas-Fusion sieht eine Aktientransaktion vor. Der Ampere-Anteil von 75,1 Prozent der Stadtwerke Hannover AG, Hannover, soll im Rahmen dieser Transaktion wieder in die Hände der derzeitigen Minderheitsgesellschafter gelangen. Konkret sei vorgesehen, dass E.ON zunächst eine Vereinbarung mit den Stadtwerken Hannover abschließe und dann in einem zweiten Schritt diese Anteile an die Altaktionäre zurück übertragen würden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es zwar noch keine Unterschriften, aber sowohl die Stadtwerke Hannover als auch E.ON hätten die Zustimmung zu diesem Vorgehen signalisiert, sagte Ampere-Vorstand Arndt Rottenbacher.

der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat sich erfreut über die Einigung zur Fusion der Energiekonzerne E.ON und Ruhrgas gezeigt. "Ich begrüße das sehr", sagte Clement am Freitag auf einem Gewerkschaftskongress in Lahnstein. Es sei wichtig, dass die Unternehmen aus dieser Wartesituation herausgekommen seien. "Die Dauer des Verfahrens zeigt aber, dass auch da ein Problem liegt." Deutschland könne sich solche Verzögerungen im internationalen Wettbewerb nicht leisten. (APA/AP/vwd/Reuters)