Wien - "Die österreichischen Bundestheater befinden sich weiter im Höhenflug, aber die Luft wird zusehends dünner." So begann der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding Gmbh Georg Springer die Präsentation der Geschäftsberichte der Holding sowie von Staatsoper, Burgtheater, Volksoper und Theaterservicegesellschaft. Entgegen der Ankündigung kam es zu keinem Auftritt des scheidenden Volksoperndirektors Dominique Mentha im Kreise seiner Kollegen. Von den künstlerischen Leitern war einzig Staatsoperndirektor Ioan Holender erschienen.

Die Welt in Zahlen

Mit einem Jahresgewinn von 1,658.000 Euro habe der Konzern im Geschäftsjahr 2001/02 "ein sehr erfreuliches Geschäftsergebnis" vorgelegt, betonte Springer. Die Tatsache, dass es um rund 600.000 Euro unter jenem des Vorjahres liege, führte der Holding-Chef vor allem auf das Wegfallen der hohen Erträge zurück, die von der Staatsoper 2000/01 mit den Verdi-Wochen und einem Japan-Gastspiel erzielt werden konnten.

Der Personalaufwand hätte stabil gehalten werden können. Die Karteneinnahmen lägen mit 38,9 Mio. Euro um 288.000 Euro unter jenen der Vorsaison, wobei das Burgtheater (auf 5,4 Mio.) und die Volksoper (auf 6,8 Mio.) leichte Steigerungen erzielen hätten können, während die Staatsoper einen leichten Rückgang auf 26,7 Mio. verzeichnete.

Sponsoring

Bei den steigenden Sponsoring-Einnahmen (2,187 Mio. Euro) entwickle sich vor allem die Fassadenwerbung äußerst positiv, meinte Springer: "Die Fassadenwerbung bringt uns sehr, sehr viel Geld. Dieser Markt boomt, und wir wollen diese Möglichkeit weiterhin nutzen." Das Burgtheater habe bereits 300.000 Euro aus der Fassadenwerbung lukrieren können, sagte der kaufmännische Direktor der Burg, Thomas Drozda.

An der Staatsoper käme "das große Geschäft" erst im kommenden Sommer, meinte Springer. "Es wird aber kein Gerüst extra für die Werbung aufgestellt!" Im übrigen hätte man bereits auch Anfragen wegen mangelnder Kompatibilität mit den Inhalten der Häuser abgelehnt.

"Die Bewegungsfreiheit ist in der Nähe von Null"

Rückläufig entwickelt sich die Auslastung der Werkstätten, hier beginne ein von den Sparzwängen der Häuser ausgehender "Schneeballeffekt" sich zu einer "existenziellen Bedrohung" auszuwachsen. Insgesamt sei die Lage des Konzerns trotz hervorragender Eigendeckungsanteile (Gesamtkonzern: 36 Prozent, Staatsoper: 44 Prozent, Volksoper 22 Prozent, Burgtheater: 17,5 Prozent) ernst.

Der Jahresgewinn im Verhältnis zum Aufwand betrage 1,15 Prozent, rechnete Springer vor: "Das heißt: Die Bewegungsfreiheit ist in der Nähe von Null." Ein Verzicht auf die lange geforderte Erhöhung der seit 1995 gleich gebliebenen Basisabdeckung des Bundes (133,6 Mio. Euro) würde bedeuten, "dass wir in die roten Zahlen kommen."

Beruhigende Worte

"Noch haben wir keinen Grund, nervös oder hysterisch zu werden", meinte Springer in Richtung der geforderten, aber nicht beschlossenen Erhöhung der Basisabdeckung, die durch eine "Kann-Bestimmung" des Gesetzes gedeckt wäre. Das im Herbst praktisch ausverhandelte, aber nicht beschlossene Budget für 2003 müsse jedoch neu verhandelt werden, da sich auch die Eckdaten geändert hätten.

Im laufenden Kalenderjahr habe man einen Mehrbedarf von 7,27 Mio. Euro, ab 2004 müsse man in ein begleitendes Bezugserhöhungssystem aufgenommen werden, mit denen man die laufenden Steigerungen der Personalkosten nichts stets aus Eigenem auffangen müsste. Ein "Personalreduzierungskonzept" würde noch in der laufenden Saison zu weiteren Einsparungen in der Theaterservicegesellschaft führen.(APA)