London - Forscher der University of Melbourne wollen hunderte neue mögliche Targets (Angriffsziele) für Malaria-Medikamente gefunden haben. Die Botaniker entdeckten Proteine, die für das Überleben des Parasiten notwendig sind. Die Proteine haben ein Kennzeichen gemeinsam und werden damit leichter auswählbar, berichten die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe von Nature. Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Menschen an Malaria, weitere dreihundert Millionen infizieren sich. Hinzu kommt, dass Resistenzen auf Medikamente steil ansteigen und eine Impfung noch immer aussteht.

Die entdeckten Proteine wirken im so genannten Apicoplast (ein Plastid-ähnliche Organell) des Malaria-Überträgers Plasmodium falciparum. Der Apicoplast ist ähnlich dem energie-produzierenden Chloroplasten in Pflanzen. "Kann der Apicoplast auch nur irgendwie gestört werden, ist dies für den Parasiten tödlich", erklärte Studienleiter Geoff McFadden, Botaniker an der Uni. Produziert werden die Proteine, die für den Apicoplast bestimmt sind, im Zellkern. Sie bringen quasi molekulare "Adressaufkleber", so genannte Transitpeptide hervor. "Es ist vergleichbar mit einer Theaterkarte. Besitzen die Proteine die richtige Karte, kommen sie rein. Wenn nicht, bleiben sie draußen. Wir wollten wissen, was auf der Karte geschrieben steht", zieht McFadden den Vergleich.

Nach der Identifizierung von Genen für bestimmte Transitpeptide durchkämmte das Forscherteam die Malaria-Genomdatenbank, um ähnliche Transitpeptide zu finden. Man entdeckte 466. Jedes könnte die Zielscheibe für ein Medikament sein. Dyan Wirth von der Harvard Malaria Initiative begrüßt die Entdeckung, da "die Pipeline für Malaria-Medikamente beinahe trocken gelaufen ist." Medikamente werden ihrer Meinung nach der zentrale Faktor in der Malaria-Kontrolle und auch in der Behandlung der nächsten Jahrzehnte sein. Die Impfstoffe der ersten Generation seien nur marginal wirksam. McFadden plant im nächsten Schritt Tests mit Herbiziden gegen einige der neu identifizierten Proteine. (pte)