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Foto: Reuters/ LEONHARD FOEGER

Wien - Das "Viennabike" wird zum "Vienna Citybike", das nur eine Stunde lang gratis benützt werden kann und dann Gebühren kostet. Betreiben wird das Projekt das Werbeunternehmen Gewista, kündigte Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) am Freitag an. Die Gewista will das neue System ohne Subventionen umsetzen - und die Startinvestition von zwei bis drei Millionen Euro über Sponsoren auftreiben, so Gewista-Chef Karl Javurek.

Das Neue am "Vienna Citybike": Wer eines ausleihen will, muss sich per Kredit-oder Bankomatkarte identifizieren. Ab Mai werden dafür in Wien neue "Terminals" und "Boxen" errichtet. Im Juni sollen die ersten zehn bis 20 Stationen fertig sein - bis 2004 sollen es 80 bis 100 werden.

Terminals mit Touch-Screen

Wer sich dann ein Rad ausleihen will, geht zu einem dieser Terminals mit Touch-Screen und leiht sich per Kredit-/Bankomatkarte ein Rad aus. Die "Box" - eigentlich ein Ständer, an dem das Rad abgesperrt ist - gibt den Strampler mit integriertem Chip frei.

Die erste Stunde kann das Rad gratis benützt werden, wobei es keine räumliche Beschränkung mehr gibt. Wird länger geradelt, werden für die zweite und dritte Stunde je zwei Euro verrechnet, ab der vierten je vier Euro. Wird das Rad an einem Ständer zurückgegeben, wird das automatisch registriert. Sowohl an den Terminals als auch im Internet wird man abfragen können, wo wie viele Räder zur Verfügung stehen und wie viele "Boxen" frei sind.

Treppenwitz zum Auswahlverfahren

Ein Treppenwitz zum Auswahlverfahren, bei dem sich etwa zehn Anbieter beworben hatten: Die Abstellanlagen des Vorjahrprojektes "Viennabike" gibt es noch - und auch die "Viennabikes" selbst, die beim Betreiberverein lagern. Und die könnten im Frühjahr durchaus wieder auf die Straße kommen, denn genehmigt ist das alles ja nach wie vor. "Es wäre schwachsinnig, die mit Steuergeldern angeschafften Terminals und Viennabikes wegzuwerfen", erklärte Viennabike-Obman Michael Kuhn. "Daher sind einige der neuen Bewerber an uns herangetreten, ob sie unser System mit passenden Innovationen fortführen können."

In den Augen der Rathaus-Grünen seien beim neuen System noch "wesentliche Fragen offen". Für die grüne Stadträtin Maria Vassilakou ist das Finanzierungskonzept der Gewista "unklar und wenig transparent". Es dürfe nicht passieren, dass "zwar auf den ersten Blick keine direkte finanzielle Unterstützung notwendig ist, der entsprechende Aufwand jedoch über erhöhte Werbeeinschaltungen der Stadt Wien abgegolten wird".

Für FPÖ-Gemeinderat Herbert Madejski ist die Entscheidung für die Gewista "ein Schritt in die richtige Richtung". VP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl ist mit der Gewista ebenfalls grundsätzlich zufrieden - forderte aber für die Einführungsphase ein Team für Information und Überwachung. (frei, DER STANDARD, Printausgabe vom 1./2.2.2003))