Wien - Dass die Gewista der neue Betreiber des Wiener Gratis-Fahrrads wird, ist seit Freitag, fix. Doch auch das alte System könnte daneben weiter bestehen.

Denn laut dem bisherigen Betreiber, dem Verein "Viennabike", haben einige der nicht zum Zug gekommen Bewerber Interesse bekundet, das alte Konzept - und damit auch die existierenden Räder - zu übernehmen.

"Es wäre schwachsinnig, die von uns mit Steuergeldern angeschafften Terminals und Viennabikes jetzt wegzuwerfen. Daher sind einige der neuen Bewerber an uns herangetreten, ob sie unser System, mit passenden Innovationen versehen, fortführen können", erklärt Michael Kuhn, Obmann des Fahrradclubs Viennabike.

Die Stadt Wien würde dazu nicht benötigt, betonte Kuhn. Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) könne zwar Subventionen ablehnen, nicht aber den grundsätzlichen Betrieb von Viennabike mit bereits behördlich genehmigten Terminals in ganz Wien. Schicker hat am Freitag betont, dass es keine Rückforderung von Subventionen geben wird. Der Verein Viennabike hat im Vorjahr 600.000 Euro für den Aufbau eines Gratisrad-Systems erhalten.

Kuhn berichtete überdies von "spannenden Ungereimtheiten" im Zusammenhang mit der Auswahl des nunmehr präsentierten neuen Betreibers. So sei eine Entscheidung intern bereits verkündet worden, bevor das entsprechende Ergebnis der Expertenkommission überhaupt vorgelegen sei, kritisierte Kuhn.

Nach Ansicht der Wiener Grünen bleiben nach der nunmehrigen Entscheidung "wesentliche Fragen" offen. Zunächst sei das Finanzierungskonzept der Gewista "unklar und wenig transparent", meinte die nicht amtsführende Stadträtin Maria Vassilakou in einer Aussendung. Es dürfe nicht passieren, dass "zwar auf den ersten Blick keine direkte finanzielle Unterstützung durch die Stadt notwendig ist, der entsprechende Aufwand jedoch über erhöhte Werbeeinschaltungen der Stadt Wien abgegolten wird".

Weiters sei vom Projektbetreiber sicherzustellen, dass auch jene Menschen, die keine Bankomat- oder Kreditkarte besitzen, über eine leicht erhältliche Chipkarte die Möglichkeit haben, vom Gratisfahrrad-Projekt zu profitieren, forderte die Grün-Politikerin. Die Grünen verlangen weiters, dass der Zeitraum für die kostenlose Nutzung der "Citybikes" deutlich verlängert werden muss. Geplant ist derzeit, dass die erste Stunde der Benützung gratis ist.

Da alle Bewerber nur knapp zwei Wochen Zeit gehabt hätten, ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten, sei für die Grünen klar, dass ein "potentes Unternehmen im Einflussgebiet der Stadt Wien" bessere Karten hatte als kleinere Unternehmungen, so Vassilakou weiter. Eine längere und ausführlichere Abwicklung der Betreibersuche wäre "im Sinne der Fairness" zielführend gewesen. (APA)