Wien - Nationalratspräsident Andreas Khol (V) wartet in seiner morgigen "Presse"-Kolumne "Quergeschrieben" (Samstag-Ausgabe) mit zwei konkreten Formulierungen zum religiösen Erbe auf, die in einer alffälligen Präambel einer künftigen österreichischen Verfassung enthalten sein könnten. Nummer eins ist dem Vorschlag der Christdemokraten im Europa-Konvent und der Europäischen Volkspartei nachgebildet: "Die Bundesländer und Bürger Österreichs ... im Bewusstsein ihrer Geschichte, der unteilbaren Werte der Würde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität und was Österreich seinem geistig-religiösen Erbe schuldet", ...".

Die zweite Formulierung Khols: "Die Werte der Republik Österreich umfassen die Wertvorstellungen derjenigen, die an Gott als die Quelle der Wahrheit, Gerechtigkeit, des Guten und des Schönen glauben, als auch derjenigen, die diese universellen Werte aus anderen Quellen ableiten." Der Nationalratspräsident betont in der Kolumne, dass dieser Text "unser gesamtes religiöses Erbe" umfasse, also "nicht jenes einer einzigen oder gar nur der christlichen Religionen". Er meine Gott schlechthin, "nicht den einer bestimmten Religion". Der Text stelle den Glauben an Gott als Ursprung der Grundwerte gleichberechtigt neben andere Ursprünge, "sei es die Vernunft, der Kategorische Imperativ oder andere".

Khol betont zudem, dass eine solche Präambel am Verhältnis von Religion und Religionsgemeinschaften zum Staat Österreichs nichts ändere. Sie drücke nur aus, "was Verfassungsrecht, Konkordat und historisch gewachsene Gesetzgebung prägen: die Glaubens-, Gewissens-, Rede-, und Gedankenfreiheit für jedermann". Staat und Verfassung blieben neutral - "jeder kann glauben was und wie er will, zum Glauben oder zu einer Konfession wird niemand gezwungen, kann niemand gezwungen werden".

Staat und Gesellschaft bräuchten die Religionen aber "als bewährte Wertestifter". Staat und Gesellschaft würden auf Grundwerten beruhen, "die sie nicht selber grundlegen, sondern die vielfältigen Einrichtungen der privaten Bürgergesellschaft". "Sie haben Österreich wesentlich mitgestaltet, ebenso wie Menschen, die grundwertbezogen handeln, ohne dafür Religion als Grundlage des Sittengesetzes heranzuziehen. Wer dies nicht erkennt, sondern im platten Antiklerikalismus verharrt, versäumt ob seiner Vorurteile eine humane Zukunft", so Khol. (APA)