Drei von vier Österreichern gehen vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter in die Rente. Im Vorjahr stieg das durchschnittliche Antrittsalter lediglich von 57,7 Jahren auf 58 Jahre. Und das, obwohl Schwarz-Blau ab Oktober 2000 das Frühpensionsalter schrittweise um eineinhalb Jahre angehoben hat, für Frauen auf 56,5 Jahre und Männer auf 61,5 Jahre. So weit die ernüchternde Bilanz im neuen Sozialbericht von Herbert Haupt.

Jetzt wird wieder eine Anhebung des Frühpensionsalters mit einer Vehemenz gefordert, als ob das die Entschärfung der tickenden Pensionsbombe brächte. Zwischen 2004 und 2009 soll das Frühpensionsalter schrittweise an das gesetzliche Antrittsalter (60 und 65 Jahre) angeglichen werden. Die Politik übersieht dabei mehrere Faktoren.

Der heimische Arbeitsmarkt ist in keiner Weise auf einen Ansturm Älterer vorbereitet. Zu glauben, es genüge, die jahrzehntelange Frühpensionierungspraxis abzuschaffen und ein paar Zehntelprozentpunkte Lohnnebenkosten an Förderungen zu verteilen, damit die Betriebe schlagartig ihr Verhalten ändern, ist blauäugig. Jene, die früher in die Frühpension komplimentiert werden, tauchen in der Arbeitslosen- und Krankenstandsstatistik wieder auf. Übersehen werden auch die "Ausweichmöglichkeiten" Altersteilzeit und Invaliditätspension.

Auf der Regierungsbank wird Wasser gepredigt und Wein getrunken. "Verwaltungsrefom" steht auf der Packung drauf, drinnen ist eine lupenreine Frühpensionierungswelle. Post, Telekom und ÖBB werden gezwungen, ihre Mitarbeiter mit 50 in Pension zu schicken. Weitere 30.000 Beamte müssen weg, sagt nun die ÖVP. Und das Land wartet weiter gespannt auf eine richtige Pensionsreform. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 1.2.2003)