Wien - FPÖ-Chef Herbert Haupt verteidigt in einem Interview mit der "Presse" die Zustimmung seiner Partei zu einem gesetzlichen Budgetprovisorium. Man habe "staatspolitisch" zugestimmt. "Man sollte nicht vergesslich, dass wir durch das Hochwasser erhebliche Überbrückungskredite aufgenommen haben und dass derzeit der internationale Kreditmarkt relativ günstige Umschuldungskredite gibt", so Haupt. Das "Ja" der Freiheitlichen "erspart dem österreichischen Staatsbürger pro Tag zwölf Millionen Euro Steuergeld, weil der Finanzminister mehr als nur die budgetäre Zwölftelregelung hat, um sinnvolle Umschuldungen zu machen".

Als Vorleistung für eine schwarz-blaue Koalition sieht der FPÖ-Chef dieses Ja jedenfalls nicht. "Die Vorleistung für eine schwarz-blaue Koalition sind die Sondierungsgespräche." Haupt verweist in diesem Zusammenhang auf das Koalitionspapier von 2000 - dieses sei bereits bis 2007 angelegt gewesen. Daher gebe es im Unterschied zu Schwarz-rot bzw. Schwarz-grün bei Schwarz-blau nur "Detailprobleme".

Differenzen zwischen seiner Partei und der ÖVP sieht der FPÖ-Chef "im Sozial- und Gesundheitsbereich". "Hier ist (Finanzminister, Anm.) Karl-Heinz Grasser dafür bekannt, dass er diesen Bereich als die Lieblingsadresse seiner Bemühungen zu Einsparungen sieht. Mein Vorschlag: den Hautverband der Sozialversicherungsträger zu renationalisieren. Man hat von der Politik die Möglichkeit, eine Selbstträgerschaft wieder aufzulösen und in Staatsaufgabe zurückzuführen. Man kann die Zusammenlegung der Pensionsversicherungsanstalten organisieren und sie dann wieder in die Selbstverwaltung zurückgeben, oder die Chipkarte durch Profis aus der Wirtschaft einführen." Ansonsten bezeichnet Haupt das Verhältnis zwischen FPÖ und ÖVP als "weitreichend harmonisch".

Erleichtert zeigte sich Haupt über den Austritt Grassers aus der FPÖ. "Ich habe mit ihm ein pragmatisches Verhältnis, durch seinen Austritt aus der Partei ist auch mein Unbehagen, dass einer als parteipolitischer Zwitter auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzt, erledigt", so der FPÖ-Chef. (APA)