Berlin/Paris - Die griechische EU-Ratspräsidentschaft will Mitte Februar ein Sondertreffen zum Thema Irak einberufen. Der griechische Außenminister Georgios Papandreou habe entsprechende Kontakte aufgenommen, hieß es am Freitag in Brüssel. Deutschland war das erste EU-Land, das die Initiative zu einem Sondergipfel nach der Ankündigung am Freitag begrüßte. Kanzler Gerhard Schröder werde "selbstverständlich" teilnehmen, versicherte ein Regierungssprecher.

Die deutsche Regierung hat hinter den Kulissen auf die Einberufung dieses Treffens gedrängt. Damit soll dem Eindruck entgegen gewirkt werden, Deutschland sei mit seiner ablehnenden Haltung zum Irakkrieg nach dem von acht europäischen Staaten veröffentlichten Solidaritätsaufruf mit den USA isoliert.

Dieser Aufruf geht laut der Berliner taz auf eine Initiative des Wall Street Journal zurück. Die Sprecherin der New Yorker Wirtschaftszeitung, Karen Miller-Pensirro, habe den Sachverhalt bestätigt. Die gemeinsame Initiative sei von der Chefredaktion des Blattes ausgegangen.

Schröder bemühte sich, die Bedeutung der Erklärung herunterzuspielen. Bei einem Wahlkampfauftritt in Niedersachsen verwies er darauf, dass es "eine europäische Position" gebe, und zwar jene, die die 15 EU-Außenminister am vergangenen Montag verkündet hätten, wonach die Waffeninspektionen im Irak fortgesetzt werden müssten.

Verärgert zeigten sich jedoch die SPD-Außenpolitiker Gernot Erler, der von einer Retourkutsche sprach, und der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose.
Auch Frankreichs Medien reagierten erbost über den "transatlantischen" Brief. Sie sprachen von einer "Verschwörung" und einer "Ohrfeige" gegen die EU-Einigkeit. Außenminister Dominique de Villepin versuchte die Wogen zu glätten und meinte, Frankreich stimme mit dem Briefinhalt in weiten Teilen überein und wünsche ja auch die Entwaffnung Bagdads. (afs, brae/DER STANDARD, Printausgabe, 1./2.2.2003)