Wien - Momentan werden viele persönliche Rekordzeiten unterboten - auf dem Weg zur nächsten Toilette. Extreme Übelkeit, Krämpfe, anhaltender Brechreiz, auch wenn der letzte Rest des Abendessens den Körper in umgekehrter Richtung bereits schon vor Stunden verlassen hat. "Furchtbar, die Hölle", erzählen die Betroffenen, - und es sind derer viele - die das derzeit grassierende Magen-Darm-Virus, bereits hinter sich haben. Und: Das retroperistaltische Elend wird im näheren Umfeld weitergereicht - von einem Familienmitglied zum anderen, von einem Arbeitskollegen zum nächsten.

Norwalk Typ II

Christine Kleibl-Popov vom Institut für Virologie der Uni Wien weiß den Kotzübeltäter auch zu benennen: Norwalk Typ II heißt das Virus, das über Tröpfcheninfektion verbreitet wird und seit Herbst 2002 immer wieder in Schüben wütet. "Es ist sehr infektiös, wir haben immer wieder Meldungen aus Spitälern oder Pflegeheimen erhalten", momentan gebe es wieder einen neuen Ausbruch.

Das Schlimmste ist meist in zwei bis drei Tagen vorbei

Und zwar "seit ungefähr einer Woche", schildert die praktische Ärztin Martina Malus. Das Wartezimmer ihrer Ordination im 21. Bezirk in Wien ist jedenfalls voll mit Menschen, die unter den genannten Symptomen leiden und stundenlang nicht mehr von der Klomuschel wegkommen. Machen könne man gegen das Virus nicht viel, gegen das Erbrechen helfen Paspertin-Tropfen. Meist sei das Schlimmste aber in zwei bis drei Tagen vorbei. Auch Tee helfe - Magentee-Mischungen, Eibisch-, Kamillen- und Schwarztee sind gut und viel Leitungswasser sollten die Übelkeitsgeplagten trinken. Und wenn dann der bloße Gedanke an Essen kein Würgen mehr auslöst, sollte man es schonend angehen: Suppen, Erdäpfel, wenig Fett und Zucker und keinesfalls rohes Obst oder Gemüse.

Aus der Statistik lässt sich ein erhöhtes Auftreten von Magen-Darm- und anderen Infektionen erkennen. Es seien allgemein die "Grippeerkrankungen" von 6100 Anfang Jänner auf 9200 in der vergangenen Woche gestiegen, erläutert Reinhard Marek von der Gebietskrankenkasse. Zumeist handle es ich aber um Influenzafälle.

Ist der Skiurlaub für die bevorstehenden Semesterferien bereits gebucht und man geht krankheitshalber statt auf der Piste vor der Klomuschel in die Abfahrtshocke, dann fallen meist Stornogebühren an. Denn gerade bei privaten Reisen, noch dazu im Inland, werden kaum Stornoversicherungen abgeschlossen, weiß Renate Wagner von Verein für Konsumentenschutz: "Wenn der Hotelier das Zimmer nicht neu vermieten kann, haftet der Kunde." Bei kurzfristigen Absagen können das bis zu 80 Prozent des Preises sein. (Tina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD Printausgabe 1/2.2.2003)