Wien - Eine Horrorvision: Ähnlich jenen Touristen, die mit Radebrech-Floskeln aus dem Reiseführer ("Wo finde ich ein Klo?") versuchen, Kontakt mit Einheimischen aufzunehmen, laufen partnersuchende Singles mit einer Checkliste an Anmachsprüchen durch die Gegend: "Hast Du Feuer?", "Sind Sie öfter hier?" Schneller könnte nicht einmal Buttersäure eine Bar entvölkern - und deshalb schüttelt Ingrid Frohnwieser ganz vehement den Kopf.

Denn die Leiterin von "Tirol's 1. Flirt-Schule" weiß selbst, dass es ganz einfach ist, sich über jene Menschen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen, lustig zu machen. Weil es ja spaßig klingt, wenn eine oder einer sagt, er oder sie habe sich nicht getraut, Kontakt zu einer Zielperson im Kampf gegen die Einsamkeit aufzunehmen, bevor Frau Frohnwieser eingegriffen habe.

Anbahnen von Zwischenmenschlichkeit

In Wirklichkeit, meint die Lebensberaterin nämlich, gibt es eine Vielzahl von Menschen, für die das Anbahnen von Zwischenmenschlichkeit ein einziges Spießrutenlaufen ist. Hier zu helfen hat sich Ingrid Frohnwieser zur Aufgabe gemacht. Ein paar Hundert Leute, erklärt sie, hätten seit 1999, als sie aus der Erkenntnis einer Trennung und der daraus resultierenden Einsamkeit die Flirtschule eröffnete, ihre Kurse schon besucht. In ganz Österreich.

Und dabei keine Liste mit Anmachsprüchen in die Hand gedrückt bekommen: "Es geht darum, eigene Stärken und Schwächen kennen zu lernen", erklärt Frohnwieser. Und sich nicht zu fürchten und zu verstecken, wenn der Frühling hormonell loslegt.

Weil mit Beginn der Warmzeit der (Leidens-)Druck steige, bietet die Flirtlehrerin nun Wochenendblockveranstaltungen an. Dabei sollen Rhethorik, Körpersprache, Selbsteinschätzung und Selbstüberwindung geübt werden. 370 Euro für ein Wochendende wären da (bei Vollpension) "in einem Hotel, wo man Bar-und Restaurantsituationen tatsächlich üben kann", nicht zu teuer, ist Frohnwieser sicher. Und ganz Mutige könnten am Abend auch noch "in die freie Wildbahn" losziehen. Aber eben ohne Best-of-Anmachspruch-Waschtzettel. Obwohl so ein Wisch eigentlich ganz charmant wirken könnte. (rott, DER STANDARD Printausgabe 1/2.1.2003)