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"Jetzt ist der beste Zeitpunkt, Wohnungen zu kaufen oder zu mieten," sagt Thomas Malloth, Präsident des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder (ÖVI). Denn er erwartet, dass Wohnen in den kommenden Jahren spürbar teurer wird.

Hauptbetroffen von der Teuerung wird Wien sein

Nach und nach sollten sich die derzeitigen Nettomietpreise von rund vier bis fünf Euro in Richtung sechs Euro entwickeln. Hauptbetroffen von der Teuerung wird dabei Wien sein, wo sich der Einbruch im Wohnungsneubau der vergangenen beiden Jahre auswirken dürfte. "Wir stehen hier am Rande einer Mangelsituation", beschreibt Michaela Mischek, ÖVI-Vizepräsidentin, die Situation. Neben den nach wie vor sehr begehrten Wohnungen innerhalb des Gürtels übertreffe die Nachfrage mittlerweile auch in "Transdanubien", also im 21. und 22. Bezirk, oft das Angebot. Dort gebe es vor allem im Bereich der kostengünstigen geförderten Mietwohnungen Engpässe. Die Stadt habe die Neubautätigkeit in diesen Bezirken wegen der höheren Infrastrukturkosten drastisch reduziert. Und die Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe im Zusammenhang mit "Basel II" habe die Lage noch zusätzlich erschwert. Wobei ihr diese Zurückhaltung "unverständlich" sei, so Mischek: wegen der Risikoarmut der Kredite im geförderten Wohnbau.

Veränderungen in den Bundesländern

Weniger stark als in Wien dürften die Veränderungen in den Bundesländern sein. In Vorarlberg werde zwar die Zurückhaltung beim Kauf von Eigentumswohnungen anhalten, die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibe aber groß. Eine Belebung des Wohnungsmarktes sollte das dortige Investorenmodell bringen: Im Ländle erhalten Anleger die selbe Förderung wie Eigennützer. Sie dürfen die Wohnungen allerdings nur für 5,82 Euro pro Quadratmeter netto vermieten. Dieser Preis liegt deutlich unter dem Richtwert von 6,5 Euro.

In Tirol werde sich die Lage stabil entwickeln, bei Altbauwohnungen in Innsbruck die Nachfrage sogar deutlich ansteigen. Billiger werden sollten Neubau-Eigentumswohnungen in Salzburg. Dort steigere sich auch das Interesse der Anleger an gebrauchten Eigentumswohnungen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren.

schwierigen Bedingungen für die Zusage der Wohnbauförderung

Die schwierigen Bedingungen für die Zusage der Wohnbauförderung würden in Oberösterreich (und dort vor allem im Zentralraum Linz-Wels) zu einem spürbaren Rückgang des Angebots privater Bauträger führen, prognostiziert der ÖVI. Im Mietenbereich sei dagegen die Talsohle überwunden. In der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, Graz, sollten die Preise stabil bleiben. Bei Neubau-Eigentumswohnungen seien im Erstbezug ausschließlich gute Lagen - vor allem am linken Ufer der Mur - gefragt.

Günstig im Eigentum wohnen lässt es sich weiterhin in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt. Die Preise für Eigentumswohnungen seien stabil, das Angebot überwiege dort die Nachfrage.

Ein Trend des Vorjahres, der sich nach Einschätzung von Mischek heuer fortsetzen sollte: das starke Interesse an so genannten "Eigentümerpartnerschaften". Eine Änderung des Wohnungseigentumsgesetzes (WEG) ermöglicht es nun nicht mehr nur Ehepartnern, sondern etwa auch homosexuellen Paaren oder "einander wirtschaftlich verbundenen Personen", eine gemeinsame Eigentumswohnung zu erwerben. (zwi, DER STANDARD Printausgabe 1/2.2.2003)