Heimatklänge: Porträts experimentierfreudiger MusikerInnen.
Foto: polyfilm

Eine eindrucksvolle Schweizer Berglandschaft, Auszüge vom Leben in der Eidgenossenschaft und vor allem sehr interessante Porträts von drei außergewöhnlichen StimmkünstlerInnen ... Eindrücke, die Stefan Schwieterts Dokumentarfilm "Heimatklänge" hinterlässt. Anfangs manchen vielleicht zu langatmig vermag der Film, der vergangene Woche in österreichischen Kinos angelaufen ist, bald in den Bann des Juchzens und anderer Gesänge zu ziehen. Anregend und beruhigend zugleich - exotisch, rätselhaft und archaisch kraftvoll, wie es im Film zur Volksmusik heißt. Die Naturjuchzer (Jützli oder Zäuerli, wie sie im Appenzell genannt werden) üben auf viele ZuhörerInnen nämlich einen besonderen Reiz aus.

Porträtiert werden

  • Erika Stucky (1962 in den USA geboren und als Kind in die Schweiz gekommen). Die lebendige Vokalistin bricht mit Gewohntem und Konventionen - multistilistisch und theatralisch.
  • Noldi Alder aus der bekannten Volksmusikerdynastie Alder (1953 im Appenzellerland geboren). Traditionelles Naturjodeln wird von Alder mit Neuem verbunden.
  • Christian Zehnder (1961 in Zürich geboren). Der Sänger zählt zur neuen Generation jener, die dem Obertongesang neue Impulse geben - eigenwillig und originell.

Alle drei sind unglaubliche SängerInnen und sehr experimentierfreudig. Hinter der Musik stehen Fragen nach der Herkunft, dem Spüren von Freiheit, dem Erzählen von Geschichten, dem Ausdrücken von Emotionen. "Diesen gewaltigen Bergen muss man etwas entgegen setzen", sagt Zehnder. Zu Gefühlen und Musik meint Stucky: "Wenn du anfängst, dein Herz auszubreiten, dann wird der Ton länger. Du wirst nicht knapper, wenn du Emotionen hast." Diese werden mit dem Film auch angesprochen. Sehens- und erlebenswert. (dy, dieStandard.at, 1. März 2008)