Wien - Rund 200 minderjährige Prostituierte gibt es im Schnitt in Wien. 200 Mädchen unter 18, die auf dem Straßenstrich Sex ab 20 Euro anbieten. Vor eineinhalb Jahren sorgte das für Aufregung: Tina Ring und Carolin Tenner, zwei Fachhochschulstudentinnen, hatten für ihre Studie "Auf dem Strich" mit 25 Betroffenen gesprochen und deren Biografien, Sorgen und Wünsche nachgezeichnet.

Der Report sorgte in der Politik für Bewegung: Im November 2006 wurde ein runder Tisch angekündigt. Der sich mit möglichen Verbesserungen der Lebenssituation der Teenager befassen sollte. Nun gibt es Ergebnisse.

Grundsätzlich prallen in der Frage zwei Denkschulen aufeinander, wie Beate Wimmer-Puchinger, Wiens Frauengesundheitsbeauftragte und Koordinatorin des runden Tisches, zugibt. Auf der einen Seite steht der Service-Gedanke im Vordergrund: Die jungen Prostituierten haben in der Situation konkrete Probleme, für die sie Hilfe brauchen. Bietet man ihnen eine zentrale Anlaufstelle dafür, bekommt man eine Überblick über die Szene und kann mit weiterführenden Angeboten ansetzen.

In Wien setzt man auf einen anderen Zugang, erläutert Wimmer-Puchinger im Gespräch mit dem standard. "Die Mädchen selbst sehen sich ja meist nicht als Prostituierte, sondern sind überzeugt, dass sie das nur im Moment machen, um zu Geld zu kommen. Wir haben das Gefühl, da können wir noch ansetzen und sie über vorhandene Einrichtungen erreichen."

Jugend- und Drogenberatungsstellen, Notschlafquartiere oder das STD-Ambulatorium (STD = Sexually Transmitted Disease, sexuell übertragene Krankheit) sollen als Kontaktpunkte dienen. "Wir sind dabei, in den Einrichtungen eine Sensibilisierung zu schaffen, und wollen den Blick für die Problematik schärfen", meint die Frauengesundheitsbeauftragte.

Das "One-Stop-Shop-Prinzip" einer zentralen Anlaufstelle habe zwar etwas für sich, aber "dafür muss ich schon das Bewusstsein haben, was ich eigentlich wirklich brauche. Man hilft den Mädchen dort akut, uns geht es um die Verarbeitung der dahinter liegenden Verletzungen, es geht darum, den Weg zurückzufinden."

Neben der stärkeren Vernetzung der Betreuungseinrichtungen will man auch Infobroschüren mit den Hilfsangeboten für die minderjährigen Prostituierten auflegen und verteilen und Schulpsychologen einbinden. Zusätzlich will man in einem nächsten Schritt auch die Polizei schulen. Die Frage, wie man die Freier erreichen kann, harrt dagegen noch einer Lösung. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Print, 18.3.2008)