Cornelia Rados beim Service in der Werkstatt.
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Hier ist ein Ölwechsel fällig.
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Marina Veit hat es im Einzelhandel nicht gefallen und sich lieber für Autos entschieden.
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Die Karosseriebautechnikerin bei der Arbeit.
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Rollende Werkzeugkästen neben offenen, halb zerlegten oder auf Hebebühnen abgestellten Fahrzeugen, laufende Motoren, der Geruch von Metall und Schmieröl: Die große Werkstätte eines Wiener Autohändlers ist der Arbeitsplatz von Cornelia Rados, Kfz-Technikerin im vierten Lehrjahr, und Marina Veit, angehende Karosseriebautechnikerin im ersten Jahr.

Für beide ist das Hantieren mit Schraubschlüssel und Wagenheber, das Handwerken und Montieren eine Selbstverständlichkeit. Beide waren von Kindesbeinen an von der Technik fasziniert; in der Schule war Werken statt Handarbeiten angesagt: "Ich hab als Kind nicht mit den Barbies, sondern den Barbie-Cabrios gespielt, dem Opa beim Tischlern geholfen oder mit dem Hammer an Papas Auto 'Reparieren' gespielt", schmunzelt Cornelia. Marina erzählt vom Autowaschen und Lichterwechseln, von den Burschen in ihrem Umfeld, die "viel über Autos geredet" hätten und wie sie im Hof des elterlichen Hauses "mit dem Kinderauto Fahren geübt" hat.

In der Werkstatt geschnuppert

Als die Entscheidung für einen Beruf anstand, war für Cornelia klar, dass sie Kfz-Technikerin werden wollte: Mithilfe des Vereins "Sprungbrett für Mädchen" konnte sie in Werkstätten schnuppern und sich gezielt bei Betrieben bewerben, die Mädchen in technischen Berufen unterstützen. Nach nur zehn bis 15 Bewerbungen hatte sie die Stelle in der Tasche - ein Glück, denn üblich sind bei dem derzeitigen Lehrstellen-Mangel etwa 50 bis 70.

Marina hatte zuerst im Einzelhandel geschnuppert, "wo es mir aber nicht gefallen hat", und sich dann für die Technik entschieden. "Mechanikerin" war ihr jedoch zu einseitig, "die Arbeit am ganzen Auto sagt mir mehr zu". Die Suche nach einer passenden Lehrstelle für Karosseriebautechnik gestaltete sich jedoch schwierig: "Ich habe mich bei vielen Betrieben beworben, aber die meisten waren nicht auf Frauen eingestellt. Einige hatten keine entsprechenden Sanitäranlagen, andere wollten aus Prinzip keine Mädchen aufnehmen. 'Eigentlich will ich kein Mädchen in der Firma, das besser is als ein Bursch', habe ich auch als Rückmeldung gehört."

Positive Reaktion

Eltern und Freunde hätten auf die Entscheidung für einen "klassischen Männerberuf" positiv reagiert: "'Super, dann kann ich mein Auto immer zu Dir stellen' war die erste Reaktion", lacht Cornelia. Nur Marinas Mutter hatte kurzfristig Bedenken: "Sie ist Krankenschwester und war wegen des Arbeitens mit Metall und Lacken um meine Gesundheit besorgt - aber die Sicherheitsvorkehrungen sind ja heute schon sehr gut, und weil ich es mir nicht ausreden ließ, hat sie nachgegeben."

Kaum Mädchen in "Autoberufen"

Beide Mädchen machen eine Doppellehre: Cornelia kombiniert mit Kfz-Elektronik, Marina mit Spenglerei und Lackiererei. In ihrer Werkstatt sind unter den 24 Lehrlingen derzeit nur drei junge Frauen, in der Berufsschule ist Cornelia in ihrer Klasse das einzige, Marina eines von zwei Mädchen. Generell ist die Zahl der an "Autoberufen" interessierten jungen Frauen nach wie vor gering: Laut Statistik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) steht der Beruf der Kraftfahrzeugtechnikerin bei den 50 wichtigsten Lehrberufen bei Mädchen derzeit an 35. Stelle, jener der Karosseriebautechnikerin fällt gar nicht darunter. In Cornelias und Marinas Betrieb war unter 150 BewerberInnen aktuell nur ein Mädchen.

Insgesamt gab es 2007 in Österreich 184 weibliche Lehrlinge in der Kraftfahrzeugtechnik, 51 wurden zur Kfz-Elektrikerin ausgebildet. In der Karosseriebautechnik waren es 46 Mädchen, 25 lernten Lackiererin, 14 Spenglerin (einige davon absolvieren wie Cornelia und Marina eine Doppellehre). Zum Vergleich: Im Jahr 1984 gab es 38 angehende - damals noch - Kfz-Mechanikerinnen, drei Kfz-Elektrikerinnen. Drei Mädchen wurden zur Karosseurin ausgebildet, fünf zur Lackiererin, elf zur Spenglerin. Bei den aktiven Fachgruppen-Mitgliedern der WKÖ sind zur Zeit 18 Frauen unter 714 Karosseriebauern (einschließlich SpenglerInnen und LackiererInnen), bei den 2713 Kfz-TechnikerInnen sind es 118 weibliche Mitglieder.

"Alles kann man lernen!"

Cornelia und Marina verrichten die selben Arbeiten wie ihre männlichen Kollegen, fühlen sich in ihrem Betrieb auch ganz gleich behandelt. "Alles kann man lernen!", sagt Werkstättenleiter Johannes Hack. "Die Mädchen werden genauso gefordert wie die Burschen - nur der Umgang mit ihnen ist manchmal sensibler." Körperlich können die jungen Frauen locker mithalten: "Man darf für diese Berufe aber nicht zu zierlich sein, denn Reifen wechseln, Schrauben öffnen oder Ähnliches kann sehr anstrengend sein", wissen die Lehrlinge. "Ich hab jetzt wesentlich mehr Kraft als vor vier Jahren", lacht Cornelia, "und kann auch viel mehr essen!"

Die KundInnen reagierten mit Interesse, sagen die Mädchen, wenn eine von ihnen sie betreut: "Ah, es gibt jetzt auch Frauen in dem Job!?" Und wie gehen die Mädchen mit dem rauen Ton um, der unter den Kollegen in Werkstatt und Berufsschule schon mal herrscht? "G'fallen lassen darf man sich nix", sind beide sich einig. "Man muss sich durchsetzen und behaupten können, zeigen, wo die Grenzen sind und darf sich nicht zurückhalten - weil's halt doch Männer sind." (Isabella Lechner/dieStandard.at, 20.3.2008)