Bratislava - Die slowakische Regierung hat offenbar unter dem Eindruck von Protesten der katholischen Kirche und katholischer Organisationen einen Text des Gesundheitsministeriums über den "Schutz der sexuellen und reproduktiven Gesundheit" von der Tagesordnung des Ministerrates genommen.

"Ideologisch einseitig"

Vor dem Regierungsgebäude protestierten ungefähr 300 AbtreibungsgegnerInnen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Frantisek Tondra, erklärte, das vorliegende Papier sei "ideologisch einseitig und wurde von Menschen ausgearbeitet, die sich zum Liberalismus und radikalen Feminismus bekennen".

Falls der Ministerrat den Text verabschieden sollte, werde die Kirche die Eltern zu Protesten mobilisieren, kündigte Cyril Jancisin, der Sekretär der Bischofskonferenz, an. Gesundheitsminister Ivan Valentovic erklärte, er habe keine konkreten Vorbehalte gegen den Text registriert. "Man kann schwer diskutieren, wenn jemand sagt, er mag das Papier als Ganzes nicht".

"Kein säkularer Staat"

Olga Pietruchova, die Sprecherin der Gesellschaft für Familienplanung, sagte, falls die Regierung dem Druck religiöser FundamentalistInnen nachgebe, wäre das ein Beweis dafür, dass die Slowakei kein säkularer Staat sei und dass die katholische Kirche eine privilegierte Stellung in der Gesellschaft beanspruchen könne. (APA)