Anna ist gut in Mathe. Sie liebt Rechnen und jongliert Zahlen mit Leichtigkeit. Doch ihre Freundinnen finden das uncool, und die Burschen finden Anna deswegen uninteressant.

Frauen haben es nicht nur wegen der schwierigen Anfänge in Naturwissenschaften nach wie vor schwer. Nur 23,6 Prozent des wissenschaftlichen Personals sind weiblich. Österreich bildet gemeinsam mit Deutschland und den Beneluxstaaten das EU-Schlusslicht. Im Bereich Forschung und Technik ist die Lage noch prekärer. Susanne Ihsen von der TU München quantifiziert beim Österreichischen Forschungsdialog zum Thema "Frauen in Wissenschaft, Forschung und Technologie" am 17. April in Krems den Frauenanteil "gegen minus unendlich".

Tatsächlich verirren sich nur wenige Frauen in den naturwissenschaftlich-technischen Zweig. Forscherinnenkarrieren sind dünn gesät, denn immer noch klebt am Forscherdasein das Image "altmodisch, öd und vor allem männlich". Dabei gilt es angesichts fehlender Fachkräfte im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich Nachwuchs zu mobilisieren - vor allem den weiblichen. Zwar ist im akademischen Bereich seit 35 Jahren ein starker Frauenanstieg zu verzeichnen - mehr als ein Drittel der Frauen beginnt ein Studium, sie wählen jedoch vorwiegend geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer -, doch auch die Technik hat eine weibliche Tradition: Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es Ingenieurinnen in Österreich. In der Minderheit sind sie jedoch bis heute geblieben. Forschen ist für Frauen einfach unattraktiv.

Dabei ließe sich das schlechte Image schnell aus der Welt schaffen. Ihsen schlägt eine Vorabendserie vor. Powerfrauen in Sendungen wie "Grey's Anatomy" oder "Emergency Room" haben das Bild der Medizinerinnen auf den Kopf gestellt - und ihnen eine ungeheure Attraktivität verliehen. Warum also keine toughe Forscherin zur Protagonistin einer Soap machen? Auch die Privatwirtschaft würde von weiblichen Akteuren profitieren: "Frauen sind der Erfolgsfaktor eines jeden Unternehmens!"

Denn nur geschlechtergemischte Teams könnten die Wünsche von Kunden und Kundinnen ganzheitlich erforschen. Trotzdem werden "sehr gute Frauen" aus dem technischen Bereich länger auf Arbeitsplatzsuche geschickt. Sie suchen durchschnittlich drei Monate länger als ihre männlichen Pendants, die nur als "gut" eingestuft werden. Forschung ist nach wie vor männlich. Für Männer ergibt sich der Beruf des Naturwissenschafters oder Technikers eher zwangsläufig - nach einer einschlägigen Schulausbildung folgt das einschlägige Studium. Karrierefrauen in der gleichen Domäne verirren sich nur aus Zufall in den Forschungsbereich und sehen Technik als eine Alternative von vielen.

Doch es sieht nicht nur düster aus am Forscherinnenhimmel: Der Österreichische Forschungsdialog, eine Initiative des Wissenschaftsministeriums, hat vehement nach einer Daniela Düsentrieb verlangt und ortet besonders in Fachhochschulen einen Lichtblick. Dort würde in frauenuntypischen Bereichen wie Multimedia oder Biotechnologie die Anzahl der Studienanfängerinnen steigen. (Karin Jirku/DER STANDARD, Printausgabe 23.04.2008)