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Nagl referierte über den kleinen Unterschied
Foto: APA/Markus Leopolter

Graz - Mit Siegfried Nagl kann man über alles reden. Einmal plaudert der Grazer ÖVP-Bürgermeister über Graz als "Bollwerk" gegen die Türkei, ein anderes Mal über Homosexuelle, die eine Wandlung im Gebet finden sollten, und dieser Tage philosophierte Siegfried Nagl über "das schwächere weibliche Geschlecht" im Allgemeinen und dessen "aufnehmende Sexualorgane" im Speziellen.

Angeregt zum laut Nachdenken hatte ihn eine Reporterin der steirischen Ausgabe des Falters, die Nagl über dessen Beziehung zu seinem engen Politik-Berater, den Psychoanalytiker Walter Hoffmann, befragte.

"Kampforgan" Penis

Hoffmann hatte in einem Buch, für das Nagl ein Vorwort schrieb, den Penis zum "Kampforgan" stilisiert. Weil die Frau eben über kein solches "Kampforgan" verfüge, sei sie dem Mann biologisch unterlegen, wird Hoffmann zitiert. Er unterstrich seine These mit einem Bild: "Wenn sie mit einem Mann auf einer einsamen Insel sind, und er will was von ihnen, ist es eine Frage der Zeit, bis er sie vergewaltigt. Umgekehrt können sie ihn aber nicht vergewaltigen."

Bürgermeister Siegfried Nagl findet sich in Hoffmanns Thesenwelt wieder. Ja, heißt es im Bürgermeisteramt am Freitag, Nagl sei im Wochenblatt durchaus korrekt zitiert worden. Hoffmans These, sagt Nagl, beziehe sich auf "das Faktum", dass das schwächere weibliche Geschlecht, das noch dazu über das aufnehmende Sexualorgan verfügt, auf der biologischen Ebene dem männlichen ausgeliefert ist. Dass der biologische Unterschied auch psychische Konsequenzen hat, erscheint mir naheliegend."

"Schwachsinn"

Der Klubchef der SP, Karl Heinz Herper, der dies las, mochte "diesen "biologistischen Schwachsinn" erst gar nicht glauben. Herper: "Diese Denkweise ist ja grauenhaft. Da brauche ich mir über Gender und Gleichberechtigung ja gar keine Gedanken mehr machen, wenn ohnehin alles biologisch determiniert ist. Das ist ja Denken aus dem Mittelalter."

"Ach Gott", heißt es im Büro der Grünen, Immer müsse man sich über Siegfried Nagl, den Koalitionspartner, äußern. "Mitgehangen, mitgefangen", tönt es resignierend nach. Grünen-Vizebürgermeisterin Lisa Rücker ist über Frauentheoretiker Nagl jedenfalls "fassungslos". Nagl habe sich im Koalitionspakt zu einer "modernen Politik der Gleichstellung" bekannt. Mit seiner öffentlichen Aussage unterlaufe er das Abkommen.

Rücker im Gespräch mit dem Standard: "Natürlich habe ich gewusst, auf wen wir uns in der Koalition einlassen. Er muss sich ja nicht wandeln, aber er muss zur Gender- und Frauenpolitik, wie wir sie fixiert haben, stehen. Das muss ich ihm leider wieder einmal ausrichten. Wir haben offensichtlich noch ein ordentliches Maß an Diskussion notwendig." (Walter Müller, DER STANDARD, Print, 03.05.08)