Ernst Weber
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Wien - Dass es für die Frauen auch eine Heim-EM geben müsse, um an einer kontinentalen Meisterschaft für Nationalteams teilnehmen zu können, zeigt sich ÖFB-Frauen-Teamchef Ernst Weber überzeugt. "Die Qualifikation ist genauso schwierig wie für die Männer", meinte er.

Seine Truppe ist zwar in der A-Gruppen-Quali engagiert, muss aber als 25. der Europa-Rangliste derzeit meist darum kämpfen, nicht aus dem A-Pool der 30 Besten herauszufallen. Die Frauen scheinen im FIFA-Ranking an 42. Stelle auf, die Männer unter Teamchef Josef Hickersberger zuletzt nur mehr auf dem 101. Platz (Europa 43.).

1 zu 45

Trotzdem ist in Sachen Frauen-Fußball in Österreich (2 Prozent von rund 525.000 Aktiven in etwa 2.500 Vereinen) noch viel zu tun, auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren enorm verbessert hat. Kam 1989 auf 100 fußballspielende Burschen ein kickendes Mädchen, sind es heute "nur" noch 45 Buben.

Mit den Buben mitkicken

Als Quantensprung bezeichnete Weber, zu dessen Vorgängern als Frauen-Teamchef Paul Gludovatz und Peter Leitl zählten, die Zulassung der Mädchen im Burschen-Bereich ab der Jahrtausendwende. "Bis zur U14 dürfen die Mädels auch mit den Buben mitspielen und auch ein Jahr älter sein", erzählte der 59-Jährige, der früher auch Männer-Trainer war.

In den Akademien in St. Pölten und von Rapid sind einige Spielerinnen dabei, die dann am Nachmittag mit ihren Vereinen trainieren. Gab es 2002/03 nur 63 Frauen-Teams in Österreich, waren es 2006/07 schon 152, was einer Steigerung um 152 Prozent entspricht. Keine Frage, die Basis sei gegenüber früher breiter geworden.

Weber hat in seinen Reihen aktuell sogar mehr Legionärinnen aus der ersten deutschen Bundesliga zur Verfügung als Hickersberger in seiner Männer-Runde. Nina Aigner, Viktoria Schnaderbeck, die Cousine von Sturm-Talent Sebastian Prödl, Sonja Spieler, Carina Wenninger und Birgit Leitner tragen alle den Dress des FC Bayern München. Aigner und Leitner arbeiten in Salzburg und pendeln dreimal die Woche in die Isar-Stadt zum Training bzw. zu den Spielen.

Zu wenige Profis

Im Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) fristet der Frauen-Fußball von den Voraussetzungen her längst kein stiefmütterliches Dasein mehr. "Der Verband bietet uns alle Möglichkeiten. Wir haben wie das Männer-A-Team einen kompletten Betreuerstab sowie eine U17- und U19-Auswahl. Der ÖFB stellt uns alle Mittel zur Verfügung", sagte Weber, der dennoch nicht restlos glücklich ist.

Das Frauen-Team könnte nämlich viel öfter Lehrgänge abhalten, aber der Teamchef hätte nicht immer alle seine Spielerinnen, die keine Profis sind, zur Verfügung. "Sie bekommen nicht so viel Urlaub", nannte er sein Problem. Früher oder später wird aber auch hier die Professionalität Einzug halten. Das körperliche Defizit werden die Frauen freilich nie aufholen können.

Männlicher Leistungsvorsprung uneinholbar

Technisch und belastungsmäßig sei zwischen Frau und Mann gar kein so großer Unterschied, aber das Tempo, die Schnelligkeit und die Zweikampfstärke seien bei Männern extrem hoch. Außerdem ist die Verletzungsgefahr von Frauen höher, so Weber. Der Trainer, der im Mai 1988 mit den Männern des Kremser SC im Finale dem von Ernst Happel betreuten FCS Tirol den ÖFB-Cup weggeschnappt hatte, ist überzeugt davon, dass die Frauen den körperlichen Unterschied aufgrund ihrer Konstitution nie aufholen oder ausgleichen können. "Keine Frau springt höher oder läuft schneller als ein Mann, ich habe auch noch nie erlebt, dass eine Frau in einer Sportart, in der es auf physische Eigenschaften ankommt, gewinnt", so der 59-Jährige abschließend. (APA)